Numbers – Den Tod im Blick

Rachel Ward
Numbers – Den Tod im Blick

Originaltitel: Numbers (2009)
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
München: Piper Verlag 2012
Piper Taschenbuch 30219
Mystery
364 Seiten
Umschlagfoto: David Terrazas Morales/Getty Images
ISBN 978-3-492-30219-7

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Die 15jährige Jem mußte schon mit 7 Jahren erleben, wie sich ihre Mutter den Goldenen Schuss gesetzt hat. Seitdem wandert sie zwischen Heimen und Pflegefamilien hin und her, ist innerlich voller Zorn und lässt niemanden mehr an sich heran. Deshalb hat sie auch noch keinem Menschen von den Zahlen erzählt, welche sie in den Augen ihrer Mitmenschen sieht. Bei jedem sieht sie eine, sich nie verändernde Ziffer, individuell unterschiedlich von Mensch zu Mensch. Die Jugendliche hat inzwischen erkennen müssen, dass diese Zahlen das Sterbedatum eines jeden Menschen anzeigen. Und bisher hat sie immer wieder festgestellt, dass die Menschen, deren Datum naht, auch an genau jenem Tag gestorben sind, welches sie in deren Augen wahrgenommen hat. Aber dann verliebt sich Jem ausgerechnet in einen Mitschüler, dessen Tod in Kürze bevorzustehen scheint. Zu allem Überfluss besucht sie mit ihm das große Riesenrad in London und entdeckt an dessen Fuß, dass alle Menschen um sie herum heute sterben sollen. Panikartig flieht sie mit ihrem Freund, gerade rechtzeitig vor einem verheerenden Bombenanschlag.

Bei der Flucht werden die beiden jedoch gefilmt und schon sucht man sie landesweit als potenzielle Terrorverdächtige. Den beiden Außenseitern scheint nur die kopflose Flucht durch England zu bleiben, denn warum sollten die beiden der Polizei trauen, hatten sie mit dieser Institution in ihrem bisherigen Leben nur schlechte Erfahrungen gemacht…

Große Stärke dieses überraschenden Debütromans sind die ausgefeilten, glaubwürdigen Figuren, welche die Autorin mit viel Verve entwickelt. Mag die Protagonistin mit ihrer Verweigerungshaltung und innerlichen Verkapselung auch manchem priviligierten Leser mit intaktem Elternhaus unsympathisch erscheinen, mangelnde Glaubhaftigkeit kann man den Figuren nur vorwerfen, wenn man selbst über keinerlei Einfühlungsvermögen verfügt.

Auch die dichte Atmosphäre und die Tatsache, dass das Ende der Geschichte nicht absehbar erscheint, sprechen für die Autorin. Bis zum Ende der Geschichte ist hier nicht klar, ob es ein Happy oder ein Ugly End geben wird. So fiebert der Leser bis zum Finale mit Jem und ihrem Freund Spinne. Schwachpunkt des Romans ist allerdings das hier etwas verschenkt wirkende phantastische Element. Aus der Fähigkeit der Protagonistin, den Todestag jedes Menschen nach einem Augenkontakt sofort zu sehen, macht Ward leider zu wenig. So scheint Jem noch nie aktiv versucht zu haben, etwas am Ableben eines Menschen zu ändern, ihn durch irgendwelche Maßnahmen länger am Leben zu halten, was mit der abgestumpften Haltung der jungen Dame und ihrer Ablehnung den Mitmenschen gegenüber zwar etwas, aber noch nicht hinreichend geklärt scheint.

Ein weiteres Manko ist die Frage, warum Jem ihr eigenes Datum, eventuell durch ein Photo, eine Camcorderaufnahme oder den Blick in einen Spiegel, nicht wahrnehmen kann. Hierzu äußert die Autorin leider gar nichts, drückt sich völlig um diese Frage. Insgesamt stellt das vorliegende Buch aber eine extrem stark erzählte Geschichte dar, die den Leser mit Haut und Haaren packt und in ihrem Bann zieht und sich auch zum Ende hin jedem Klischee verweigert.

Hoffentlich verfasst Autorin Rachel Ward noch weitere Erzählungen von solch beeindruckender erzählerischer Vehemenz und Stringenz, die man als Leser geradezu einsaugen und nicht mehr aus den Fingern legen möchte, bis man endlich erfährt, welches Schicksal die Figuren schlussendlich ereilt. Ein wahrlich beeindruckendes Debüt einer Autorin (Jahrgang 1964), die wohl über viel Lebenserfahrung und Empathie verfügt, was man der erzählten Geschichte und der Art der Darstellung der Protagonisten deutlich anmerkt.

Copyright © 2012 by Gunther Barnewald

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