Alle diese Welten

Dennis E. Taylor:
Alle diese Welten

Originaltitel: All These Worlds (2017)
Deutsche Erstausgabe: Juni 2019 (Heyne Verlag/ Heyne Trade Paperback.31932)
Übersetzung: Urban Hofstetter
Cover: Das Illustrat, München, unter Verwendung von Motiven von Shutterstock/Vadim Sadovski
380 Seiten
ISBN 978-3-453-31932-5

von Gunther Barnewald

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Was in den ersten beiden Romanen der Trilogie geschah:

Nach seinem ‚Tod‘ wurde der Physiker und reiche Softwareentwickler Bob Johansson zu einer kybernetischen Intelligenz umgewandelt, die sich selbst replizieren kann – wobei aufgrund kleiner Abweichungen neue Persönlichkeiten entstehen – und u. a. in der Lage ist, Raumfahrzeuge zu steuern, zu bauen und zu entwickeln.

Bob bereist den Weltraum und entdeckt neue Welten, was dringend notwendig ist, denn die Menschheit hat sich durch Krieg fast vollständig aufgerieben und ihren Heimatplaneten ruiniert. Deshalb entstanden „Archen“, mit denen Bob und seine ‚Klone‘ die überlebende Menschheit zu den Sternen verschiffen, um sie auf geeigneten Welten anzusiedeln. Dabei gelingt Bob die Entwicklung einer Technik zur zeitlosen Kommunikation. So kann er sich universumweit mit seinen ‚Kopien‘ vernetzen.

Außerdem entdecken die Bobs andere intelligente Zivilisationen, darunter eine äußerst aggressive, die andere Intelligenzen als Nahrung betrachtet und schon einige Völker ausgelöscht hat. Als diese Räuber auf die Rest-Menschheit und auf die „Bobs“ aufmerksam werden, hängen deren Schicksale am seidenen Faden hängt …

So geht’s weiter:

Die Fortsetzung von „Ich bin viele“ und „Wir sind Götter“ ist erneut spannend und unterhaltsam geraten. Die ständig wechselnden Brennpunkte der Erzählstränge lassen kaum Langeweile aufkommen.

Dennoch ist der Abschlussband der Trilogie etwas missraten. Gegen Ende gibt es eine erhebliche ‚Stauchung‘, die Handlung kommt abrupt zu ihrem Ende und lässt zudem eine Frage (Stichwort: „Der durchgeknallte Brasilianer“) offen.

Wer die ersten beiden Bände mochte, wird vom Finale nicht enttäuscht sein. Beim einem Blick hinter die Kulissen entsteht jedoch der Eindruck, der Autor habe das Interesse an dem von ihm geschaffenen Universum verloren. So gibt sich Taylor keinerlei Mühe, die feindlichen Aliens näher zu beschreiben. Die „Bobs“ verzichten auf jegliche genaue Erkundung, denn für alle Probleme gibt es ja immer den (literarischen) Holzhammer, der hier enervierend prägnant zum Einsatz kommt.

Leider fehlt dem Gesamtwerk dadurch jede Klasse, das Niveau fällt stetig Taylor fehlen Finesse und die Ambivalenz, die gute Fiktion ausmachen. Jede Figur sofort als „gut“ oder „böse“ zu identifizieren, Auseinandersetzungen enden immer (und ungeachtet oft erheblicher Verluste) ‚moralisch‘ und happy. Dies schmälert die Spannung, weil es vorhersehbar ist.

So bleibt diese Trilogie spannendes, anfänglich auch intelligentes Lesefutter, dem jedoch bald die Luft ausgeht, in Trivialität versinkt und keine Überraschungen bietet, die den Leser aus dem Sessel hauen könnten. Gäbe es neben den unendlich genialen „Bobs“ andere sympathische bzw. überhaupt erwähnenswerte Protagonisten, wäre die auf Dauer nahezu unerträgliche Egozentrik (oder hier vielleicht noch besser, weil altmodisch und übertrieben: der Egozentrismus) dieser Geschichte nicht übertrieben. Bei Fredric Brown gab es 1951 noch viel Selbstironie im Universum des gnadenlosen SF-Fans („What mad Universe“, dt. „Das andere Universum“), bei Taylor nur Anspielungen und etwas Humor.

Schade, dass Taylor nicht mehr herausholen konnte, aber wahrscheinlich ist diese Trilogie der ideale Spiegel für die heutige Generation „Selfie“ = „Ego-Shooter“ = „Ich-und-sofort“, die keinen Bedürfnisaufschub mehr toleriert und die eigenen Wünsche gnadenlos im Mittelpunkt stellt. Junge Menschen, vor allem „Nerds“, werden die Trilogie lieben und verehren.

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

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Ich bin viele

Wir sind Götter

Jenseits der Zeit

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