Botschafter der Sterne

Baoshu
Botschafter der Sterne

Originaltitel: Santi X Guanxiang zhi zhou (2011)
Deutsche Erstausgabe: März 2021 (Heyne Verlag/TB-Nr. 42469)
Übersetzung: Marc Hermann
Cover: Stephan Martinière/Das Illustrat, München
399 Seiten
ISBN 978-3-453-42469-2

von Gunther Barnewald


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Der chinesische SF-Schriftsteller Baoshu (bürgerlicher Name: Li Jun) fiel hierzulande bereits mit einer genialen Novelle in der Anthologie Zerbrochene Sterne auf. Kurz nach Erschienen des dritten und abschließenden Bandes von Cixin Lius fulminanter Trisolaris-Trilogie hat er sich daran gemacht, eine Art Fortsetzung der Geschichte zu verfassen. Da beide Schriftsteller befreundet sind und Liu zudem von Baoshus Werk sehr angetan war, darf Botschafter der Sterne mittlerweile als offizielle Fortsetzung der Trilogie firmieren.

Leider hinterlässt dieses Werk einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits merkt man dem Buch die hohe schriftstellerische Finesse und Kompetenz des Autors an, andererseits führen allzu grandiose Settings und Erzählebenen zu einer starken Distanz zu den Figuren. So ist es erstaunlich, dass ein Roman, der eigentlich keinen wirklichen menschlichen oder menschenähnlichen Protagonisten hat, trotzdem gut lesbar und einigermaßen spannend ist.

Da Cixin Liu kaum genug „Universum“ übrig ließ, um eine einigermaßen logische und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, weicht der Autor auf die Abenteuer von Yun Tianmings aus, der als Bewusstsein/Hirn in die Gewalt der Trisolarier gerät und bis auf Blut gequält, manipuliert und vereinnahmt wird. Später findet er einen Ruheplatz auf Planet Blau in einem künstlichen Miniuniversum, wo er mit einer attraktiven Frau lebt und ein scheinbar normales Menschenleben führt.

Wie kann er in den scheinbar verlorenen Kampf der Menschheit eingreifen? Wie das gesamte Universum verändern, um einen akzeptablen Neubeginn aller Zeiten zu schaffen? Wie kann er das gegenseitige Eliminieren intelligenter (oder doch nicht allzu intelligenter !!!) Zivilisationen im Universum verhindern …?

Trotz des etwas verquasten und viel zu ‚kosmisch‘ angelegten Inhalts erzählt Baoshu eine interessante und durchaus lesenswerte Geschichte, die vor allem vom flüssigen Stil des Autors (und von der hervorragenden Übersetzung durch Marc Hermann) profitiert. Leider fehlen die herausragenden Ideen und verblüffenden Wendungen, die Cixin Lius Trisloaris-Trilogie zumindest in den ersten beiden Bänden auszeichnen.

So bleibt der vorliegende Roman zwar eine kreative und durchaus verblüffende Fingerübung, ist aber kein Meisterwerk geworden. Lesbar ist er aber allemal, und wer die genannte Trilogie gelesen hat, wird sich sicherlich auch für die Fortsetzung interessieren!

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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