Der Muttercode

Carole Stivers
Der Muttercode

Originaltitel: The Mother Code (2020)
Deutsche Erstausgabe: Juli 2021 (Heyne Verlag/Heyne Paperback 32073)
Übersetzung: Jürgen Langowski
Cover: DAS ILLUSTRAT, München (nach einem Originalentwurf von Hachette UK Ltd. u. unter Verwendung eines Motivs von Shutterstock)
413 Seiten
ISBN 978-3-453-32073-4

von Gunther Barnewald


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Als die US-Amerikaner Ende der 2040er Jahre beschließen, einige Terroristen in Afghanistan mit biologischen Waffen zu töten, leiten sie damit unwissentlich das Ende der menschlichen Zivilisation ein. Der Krankheitserreger ist resistenter als angenommen, mutiert und verbreitet sich über die ganze Welt. Die Sterblichkeitsrate der ausgesäten Lungenerkrankung liegt bei fast 100%. Ehe sich die Verantwortlichen über ihre Untat klarwerden können, beginnt die Menschheit zu sterben.
In der Not verfällt das Militär auf die Idee, ‚Zuchtroboter‘ in fliegenden Maschinen zu installieren und diese Embryonen austragen zu lassen, die gegen die Krankheit immun sein werden, denn ein eilig erzeugter Impfstoff für die noch lebenden Menschen hilft immer nur kurzfristig und lässt die Benutzer langfristig dennoch sterben.

Es überleben nur einige Hopi-Indianer, die genetisch geschützt sind, mehrere Militärangehörige, deren Tod aber absehbar ist, und die wenigen neu geborenen Kinder, die von ihren Robotermüttern geschützt und erzogen werden.

Bald zeigt sich, dass diese ‚Mütter‘ niemand an ihre Schutzbefohlenen heranlassen. Eine Vereinigung und Bündelung sämtlicher Überlebender ist so nicht möglich. Muss man die ‚paranoiden‘ elektrischen Mütter abschalten und somit den Kindern alles nehmen? Verzweifelt suchen die wenigen Menschen der ‚alten‘ Zivilisation nach einer Möglichkeit, die Kinder vor einer Traumatisierung zu bewahren. Kann dies gelingen …?

Carole Stivers erzählt die clever konstruierte Geschichte anfänglich nicht chronologisch, sondern streut immer wieder ‚Vorblenden‘, d. h. zeitlich spätere Handlungselemente ein, sodass sich erst allmählich ein kongruentes Bild ergibt. Dabei hebt die Autorin ihre Trumpfkarte bis zum Schluss auf: Durch den Kniff mit den feindseligen Müttern bleibt eine große Aufgabe offen: Wird eine friedliche Vereinigung gelingen?

Die vorliegende Erzählung ist atmosphärisch dicht, plastisch geschrieben und von Jürgen Langowski (wie immer) hervorragend übersetzt. Große Spannung, ein geschickter aktueller Pandemiebezug und das flüssige Leseerlebnis sind die Stärken des Romans. Große Mankos sind dagegen die blassen und (wenn überhaupt erkennbaren) Klischee-Charaktere – Der geneigte Leser hat vielleicht bemerkt, dass der Rezensent keinen einzigen Protagonisten-Namen erwähnt; dies kommt nicht von ungefähr -, die eine Identifikation nicht gerade einfach macht. Zum Glück tritt diese Schwäche dank der erwähnten Stärken in den Hintergrund.

„Muttercode“ ist kein Meilenstein des Katastrophenromans – was passiert eigentlich mit den großen, nun frei umherstreifenden, hungrigen Hunden? – bietet aber eine lesenswerte Geschichte, die auch durch den Mut der Autorin besticht, die ‚eigene‘ Regierung und damit ihre Landsleute zu den Schuldigen des Zivilisationsuntergangs zu machen. Es wäre einfach gewesen, den Chinesen oder Russen die ganze Verantwortung für das entgleiste Virus zuzuschieben. In China oder Russland hätte ein Buch, das die eigene Regierung zum Schuldigen macht, sicherlich nicht erscheinen dürfen! (Vielleicht ist dies aber nur ein cleverer Schachzug der Autorin, denn so könnte ihr Buch auch in China und Russland publiziert werden.)

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Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

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