Die Unvollkommenen

Theresa Hannig
Die Unvollkommenen

Originalausgabe = dt. Erstausgabe: Juni 2019 (Bastei Verlag/TB-Nr. 20947)
Cover: heckmannoleg/iStock; © shuoshu/getty-images
399 Seiten
ISBN 978-3-404-20947-7

von Gunther Barnewald

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Paula Richter, von allen Lila genannt, lebt in der Bundesrepublik Europa jenseits des Jahres 2050. Als sie nach einem schon im Keim erstickten Anschlagsversuch auf den Herrscher Ercan Böser aus einer der ‚modernen‘ Strafanstalt entlassen wird, in denen man die Strafe bewusstlos vor sich hin vegetierend verbüßt, schreibt man das Jahr 2057.

Lila wird in eine Einrichtung verlegt, wo sie den Rest ihres Lebens in Sicherheitsverwahrung verbringen soll. Der einst Kühlungsborn genannte Gebäudekomplex ist mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet und besitzt ein großes Freigelände am Ostseestrand.

Ein anderer Gefangener ermöglicht Lila die Flucht. Wieder draußen erkennt sie, dass Roboter bzw. Roboterkörper, die von menschlichen Bewusstseinen ‚beseelt‘ sind, die Macht übernommen haben und immer stärker Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Samson Freitag, einer von ihnen – früher ein Mitverschwörer Lilas -, scheint der neue Messias zu sein. Er hat wohl sogar Ercan Böser entmachtet, und ihm gelingt es, die Gehirne von Menschen und ‚Roboter-Menschen‘ zu manipulieren und zu steuern.

Lila ist entsetzt und wehrt sich, bis sie selbst mit Chip-Imlantaten ‚optimiert‘ wird. Ihr erschließt sich eine neue Welt, in der sie sich wie in einem nebenwirkungsfreien Drogenrausch vorkommt. Der eigene Wille und die Freiheit scheinen nicht mehr zu zählen, man ist glücklicher und zufrieden, der Wille zum Widerstand verschwindet.

Als trotzdem verschiedene Putschversuche gestartet werden, die das System beseitigen sollen, wird Lila in einen Strudel gezogen, der Kultur und Zivilisation in Europa zu vernichten droht …

Hannigs Roman ist durchaus spannend und ist gespickt mit klugen Ideen, die jedoch – als Beispiel sei die Vernetzung der menschlichen Bewusstseine zu einer Schwarmintelligenz genannt – nicht immer in aller Konsequenz durchdacht werden.
Während die Charaktere blass bleiben und auch die Atmosphäre wenig überzeugt, besticht die Geschichte vor allem durch intellektuellen Kitzel. Die verschiedenen Ebenen der Verschwörung, die beteiligten Parteien und die Implikationen der Bewusstseinsmanipulationen nötigen dem Leser viel Aufmerksamkeit und Konzentration ab. Trotzdem ist das Buch erstaunlich unterhaltsam geraten und lässt sich durchgängig gut lesen.

Sicherlich ist „Die Unvollkommenen“ kein Buch für jeden Leser, Man muss sehr fokussiert sein, um dem Ganzen folgen zu können. Wer diesen Weg geht, liest einen intellektuell anregenden Roman, wie man ihn leider eher selten findet.

Copyright © 2019 by Gunther Barnewald

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