Dürre

Uwe Laub
Dürre

Originalausgabe = dt. Erstausgabe [Paperback]: September 2021 (Heyne Verlag)
Umschlaggestaltung: DAS ILLUSTRAT, München, unter Verwendung eines Motivs von Shutterstock.com/Vandathai
463 Seiten
ISBN 978-3-453-44118-7

von Gunther Barnewald


Titel bei Amazon.de

Deutschland in einer nahen Zukunft: Durch die Klimaerwärmung herrscht Dürre nicht nur in unserem Land, sondern auch in Europa und weltweit. Nahrung ist Mangelware, Bauernhöfe wurden verstaatlicht, noch bestehende Höfe kämpfen um ihre Existenz.

Der junge Julian Thaler und seine 16-jährige Schwester Leni bewirtschaften mehr schlecht als recht einen kleinen Bauernhof in Bayern. Es gibt ihn nur noch, weil deren Vater Georg auf seine Lebenszeit eine Ausnahmegenehmigung zum weiteren Betrieb erhalten hat.

Eine Umwelt-App überwacht streng den CO2-Ausstoß jedes Bürgers. Kontrollbeamte überprüfen dies. Sie verfügen über drakonische Befugnisse. Zu ihnen gehört die zudem brutale und korrupte Dana Kilian, die den Thalers nach einem Brand auf deren Hof bald auf die Pelle rückt und deren Betrug entlarvt: Der Vater ist gestorben, was die Geschwister mit Hilfe des Hausarztes geheim halten, denn sie würden sofort den Hof verlieren.

Die minderjährige Leni muss zu ihrem cholerischen, alkoholsüchtigen Onkel Hektor nach Frankfurt ziehen, der hier ein mächtiges Abbruchunternehmen leitet und mit Kilian ‚kooperiert‘. (Eigentlich müsste man sagen ‚korruptiert‘, gäbe es dieses Wort.) Leni ist in großer Gefahr, während Julian mit allen Mitteln den Kampf um den kleinen Hof aufnimmt. Unterstützt durch einen prominenten Hacker stößt er auf ein umfassendes Netz aus Korruption und Betrug, das die EU erschüttern könnte …

Leider investiert der Autor viel zu wenig Zeit in die Schilderung der krassen Einschnitte, welche die Bevölkerung erlitten haben. Zwar werden plakativ Menschen im Elend gezeigt, jedoch nur am Rande erwähnt, dass der einzige noch bestehende Supermarkt am Ort nur noch wenige Tage die Woche geöffnet hat und die Regale sowieso meist leer sind.

Dazu verleiten flache und leider arg klischeehafte Charaktere – entweder tadellos ‚gut‘ oder abgrundtief ‚böse‘ wie Hektor Thaler oder Diana Kilian oder der übliche geniale Computerhacker) den Leser nicht gerade dazu, sich mit diesen zu identifizieren.

Wissenschaftlich ist der Thriller sehr gut recherchiert und vor allem extrem spannend erzählt. Ein unglaubwürdiges Ende diskreditiert die Geschichte aber unnötig.

Ohne die eklatanten Schwächen könnte „Dürre“ ein hervorragendes Buch sein. Gerade ein so wichtiges Thema wie der drohende Klimawandel sollte aber vielleicht niveauvoller, prägnanter und weniger oberflächlich und reißerisch erzählt werden. (Empfohlen sei dem Leser die Lektüre von „Sommer im Treibhaus“ des australischen Autors George Turner; obwohl noch aus dem vergangenen Jahrtausend, wird hier demonstriert, wie glaubhafte Charaktere aussehen.)

So bleibt der Roman eine zwar spannende und wissenschaftlich glaubhaft erzählte Geschichte. Zurecht weist der Autor im Interview darauf hin, dass alle ökologischen Krisen der Vergangenheit nicht durch den Markt, die Industrie oder den Verbraucher, sondern immer durch gesetzlich-lenkendes Eingreifen des Staats bzw. der Politik abgewendet wurden; durch die Einführung von Katalysatoren, Partikelfiltern, Müllrecycling etc. Ansonsten lässt dieses Buch in vielem zu wünschen übrig und kommt oftmals zu oberflächlich sensationell und klischeehaft daher.

Schade, dieses wichtige Thema hätte sicherlich mehr Sorgfalt und weniger sensationelle Handlung und reißerische Details (z. B. der spektakuläre ‚Abgang‘ von Hektor Thaler) verdient.

Copyright © 2021 by Gunther Barnewald

Titel bei Amazon.de

Die Letzte macht das Licht aus

The Electric State

The Last Day

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.