Vellum

Hal Duncan
Vellum – Eine Reise an die Grenzen der Wirklichkeit

(sfbentry)
Heyne
Science Fiction
Umfang 594 Seiten
ISBN 978-3-453-52254-1
Übersetzt von Riffel, Hannes

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Reynard Carter und sein Freund Jack sind ein verliebtes Paar, das sorglos vor sich hin zu leben scheint. Das alles ändert sich, als sie in einem staubigen Keller auf ein Buch stoßen, von dem es heißt es sei das Vellum. Das ewige Stundenbuch Gottes, in dem jede Stunde und jede Minute unserer Welt festgehalten wird. Der Mythos besagt auch, dass es Metatron sei, der Engel Gottes, der sein Wort in diesem Buch niederschreibt. Doch mit der Entdeckung des Vellum beginnt für den Leser, eine Reise durch Raum und Zeit, die turbulenter kaum sein könnte.

In Hal Duncans Roman gerät die Welt zum Schauplatz eines Krieges. Eines Krieges der Engel, die sich selbst Unkin nennen. Und wie es die Natur dieser unsterblichen Wesen ist, zieht sich auch ihr Krieg über alle Zeitalter und Kontinente hinweg. Von der Zeit der erste Städte bis zu einer Zukunft und dem Übergang in jene Parallelwelt, die sie Vellum nennen. Der Engel Metatron führt den Rat der Unkin, doch seine Widersacher sind ebenfalls mächtig. Abtrünnige die sich aus dem Krieg heraushalten wollen, sind beiden Seiten ein Dorn im Auge. Und so jagen Sie die Verräter quer durch Raum und Zeit, scheinbar gleichzeitig vom alte Sumer über das Europa der Weltkriege, bis zu jenen befremdlichen Orten, die kein Mensch mehr begreifen kann.

Hal Duncan gelingt es in seinem Roman zahlreiche Schichten miteinander komplex zu verweben. Von den sumerischen und griechischen Mythen über die Ereignisse unserer Zeit bis zu den fiktiven Elementen, die er fortspinnt, treten seine Figuren unter wechselnden Namen, aber in ewig gleichen Rollen auf. Die Perspektive wechselt dabei ebenfalls immer wieder, von der Ich-Erzählung über die dritte Person bis zu den formalen Beschreibungen der alten Sagentexte.

Für manche Leser mag es sicher eine interessante Herausforderung sein, die verschiedenen Parallelhandlungen miteinander zu verknüpfen und die epische Dimension in seine Gänze zu erfassen. Die übrigen Leser werden jedoch keine Freude an Duncans Werk finden. Zu verworren ist die Handlung, Zusammenhänge werden so sehr verschleiert, dass sie kaum noch nachvollziehbar sind und letzten Endes dümpelt die Geschichte vor sich hin, ohne dass es auf hundert Seiten mehr als ein paar Sätze voran geht. Nach einem Ende, dass sich kaum von den zweihundert Seiten davor unterscheidet endet Vellum, ohne den Leser wirklich gefesselt zu haben. Man könnte sich die Frage stellen – war´s das – aber man ist viel zu erleichtert, dass es endlich vorbei ist.

Fazit

Hal Duncans Roman ist der, genau genommen sogar recht gelungene, Versuch, eine einzelne Geschichte parallel über Raum und Zeit zu erzählen. Seine Zutaten mixt er zusammen aus Sagen, Legenden und schierer Phantasie. Daraus erstellt er ein Gericht, dass alles gleichzeitig sein will, jedoch nur scheitern kann. Was herauskommt ist ein Roman dessen Handlung genauso fragmentarisch ist, wie seine Figuren. Allein die Sprache bildet zumindest über weite Teile eine Konstante. Vielleicht wäre das Werk verdaulich geworden, wenn wenigstens die Geschichte gut gewesen wäre. So bleibt Duncans Roman ein literarisches Experiment, dass grauenhaft zu lesen ist. Mag sein, dass einige Esoteriker unter uns dies zu schätzen wissen, alle anderen sollten das Vellum bestenfalls zum Heizen verwenden.

Copyright 2009 by Johannes Heck

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