Walfred Goreng

Armin Rößler, Dieter Schmitt
Walfred Goreng

Science Fiction
Wurdack Taschenbuch
Umfang: 188 Seiten
ISBN 9783938065044 (sfbentry)
Anthologie
Dezember 2004
Hrsg. Armin Rößler und Dieter Schmitt
Genres: Science Fiction  

Während der Vorgängerband noch unter dem Label der STORYOLYMPIADE erschien, wurde WALFRED GORENG in der SF-Reihe des Wurdack Verlags gedruckt und vertrieben. Gemeinsam ist beiden Büchern, daß ein Storytitel zum Titel der kompletten Anthologie wurde und die inhaltliche Vielfalt, auch wenn sich unter den 24 Kurzgeschichten in WALFRED GORENG gewisse thematische Schwerpunkte herausgebildet haben.

Selten sind die Verbindungen, die die SF mit Handlungselementen des Krimis eingeht. Der vorliegende Band bietet immerhin drei Symbiosen dieser Art an. Mit einer mysteriösen Mordserie konfrontiert Heidrun Jänchen in „Omega“ ihren Ermittler, in der die Hinterlassenschaften eines intergalaktischen Krieges eine nicht unerhebliche Rolle spielen und darüber hinaus die Fragen aufwerfen, ob tatsächlich die Menschen den Krieg gewonnen haben… Weniger gewichtig, aber nicht weniger gekonnt ist „Mein Schicksal in deinen Händen“ von Thomas Kohlschmidt. In diesem Fall werden die bionischen Hände eines Pianisten gestohlen, aufgrund eines sehr menschlichen Motivs. Vielschichtig ist „Das Geheimnis der unentschlossenen Treppe“ von Uwe Hermann. Er verbindet phantastische Elemente wie Parallelwelten und Zeitreisen mit einem bekannten historischen Kriminalfall. Die Geschichte ist in London angesiedelt, selbstverständlich genau zu der Zeit, in der Jack the Ripper seine Morde begeht.

Für die SF sind dagegen dystopische Kurzgeschichten keineswegs ungewöhnlich, so daß es nicht verwundern kann, daß diese Strömung auch in ihren Weg in WALFRED GORENG gefunden hat. Dabei geht es nicht immer um die klassischen Dystopien wie Kriege, Totalitarismus, Umweltzerstörung. Nur Barbara Schinko bleibt mit „Dies ist eine Warnung“ innerhalb dieses Rahmens, indem sie Schatzsucher eine Ausgrabung auf der zerstörten Erde durchführen läßt. Dieter Schmidt wirft dagegen in „Arbeitstag“ einen Blick in die Zukunft der Arbeitnehmer, die nicht mehr besonders fern erscheint: Sie werden vereinnahmt, zu Konkurrenzdenken aufgestachelt und mit Mitte dreißig ist ihre Karriere bereits zu Ende. Der „“ibliothekar“ von Robert Kerber ist ein genmanipuliertes Kind, das mit unendlichen Wissensmengen geführt wird. FAHRENHEIT 451 einmal anders…

„Njomwegs Krankheit“ von Thorsten Küper ist ein Virus, der Kinder befällt und ebenfalls zu ihrer mentalen Ausbeutung führt. Die Story ist nicht nur eine Dystopie, sondern auch eine Story, in der der Protagonist erfahren muß, daß der Schein trügt. Genauso wie in der Story „Tag des Glücks“ von Peter Hohmann, der mit einer holografischen Welt, die eine zerstörte Erde vergessen machen soll, relativ konventionell bleibt; und in „Corona“ von Lutz Herrmann, in der den Menschen am Ende ihres langen Arbeitslebens die Aussicht einer Reise auf einen paradiesischen Planeten vorgegaukelt wird.

Einen gewissen Ausgleich zu dieser schweren Lesekost bieten die humoristischen Kurzgeschichten. In „Erstkontakt“ von Frank Hoese wird ein Frachtercaptain zu einem Quarantäneplaneten geschickt, um dort nach dem Rechten zu sehen. In der zweiten Hälfte wird die Story zu einer Satire auf eine bekannte SF-Fernsehserie… Stefan Wogura läßt in „Ein Alien kommt selten allein“ seinen Protagonisten durch die Fallstricke intergalaktischer Diplomatie stolpern. In „Dezibel“ von Edgar Gütte hat die Besatzung eines Frachters Probleme mit dem Lärmschutzbestimmungen ihres Zielplaneten, die eine konventionelle Landung unmöglich machen.

Es wäre vergeblich, nach Mängeln im Stil, im Aufbau und im Ablauf der Kurzgeschichten suchen zu wollen. Lediglich zwei Kurzgeschichten enttäuschen etwas: Der Monolog in „Träume“ von Andrea Tillmanns und der zu kryptische „Ausgang“ von Roland Triankowski. „All inclusive“ von Helmuth W. Mommers, Ernst Vlcek und Uschi Zietsch ist zwar eine routiniert geschriebene Story über einen Urlaub der Zukunft, jedoch drängt sich die Frage auf, ob etablierten Autoren wie Ernst Vlcek und Uschi Zietsch Veröffentlichungsmöglichkeiten in Kleinverlagen geboten werden müssen.

WALFRED GORENG vermag nahtlos an seinen Vorgängerband DEUS EX MACHINA anzuschließen, ist also genauso lesenswert. Mir bleibt nur, meine Empfehlung für Leser (und auch für potentielle Autoren) zu wiederholen.

Copyright (C) 2006 by Armin Möhle

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Walfred Goreng. 24 Erzählungen

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