Im Bann des Ozeans – Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe

Robert Hofrichter
Im Bann des Ozeans – Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe

Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 978-3-579-08678-1
Sachbuch, Natur & Tiere
1.Auflage 26.3.2018
240 Seiten, 13,5 x 21,5 cm; mit 16-seitigem vierfarbigen Bildteil
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

www.randomhouse.de/Verlag/Guetersloher-Verlagshaus/50000.rhd
Homepage des Autors: www.robert-hofrichter.com


Dr. Robert Hofrichter, geboren 1957, ist ein österreichischer Zoologe, Biologe, Naturschützer, Journalist und Naturfotograf. Er ist Autor zahlreicher Werke und schrieb ein international sehr erfolgreiches Bestimmungsbuch für Pilze. Die faszinierende Welt im Untergrund interessiert ihn seit seiner Kindheit und lässt ihn auch nach 50 Jahren nicht los.
(Quelle: Gütersloher Verlagshaus)

„Ein Buch, so aufregend wie ein Tauchgang in die Tiefsee!“ wird auf dem Backcover von Robert Hofrichters Buch Im Bann des Ozeans – Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe versprochen. Einen Tauchgang in die Tiefsee habe ich noch nie erlebt, noch nicht einmal Schnorcheln gehört zu meinen Freizeitbeschäftigungen. Aber bestätigen kann ich, dass das Buch tatsächlich sehr interessant und spannend ist, sowohl in wissenschaftlicher Hinsicht, aber auch als Lese-Abenteuer mit vielen Geschichten, Anekdoten, Berichten und Wissenswertem über das Meer.

Abenteuer Wissenschaft
Auf dem Schutzumschlag tummeln sich ein paar Buckelwale unter dem künstlich gebogenen Horizont eines grünen Ozeans. Natürlich geht es in dem Buch in erster Linie um die Bewohner der Meere, die Vielfalt und Exotik von Tieren und Pflanzen, deren Verhalten, Abwehr-, Jagd- oder sogar Fortpflanzungsstrategien. Dabei wird vor allem auf besondere oder skurrile Vertreter eingegangen, die giftigsten oder die größten, Korallen mit ihren riesigen Bauwerken, Delfine, die nicht immer so „lieb“ sind wie Flipper uns das im Fernsehen gezeigt hat, Männchen, die dauerhaft im Weibchen leben usw. Was jedoch auch vermittelt wird, ist ein thematisch sehr umfassender Blick auf alles, was mit dem Meer zusammenhängt. Wie ist das Wasser auf die Erde gekommen? Wie haben sich die Meere gebildet und immer wieder neu formiert? Durch verschiedene Einflüsse hat sich der Meeresspiegel im Laufe der Erdgeschichte ständig gehoben oder gesenkt und verändert sich immer noch. Wie wirkt sich das auf den Lebensraum Meer aus? Wie entstehen Monsterwellen und Tsunamis? Zusammen mit den geografischen Gegebenheiten, den chemischen Eigenschaften des Wassers und der Erdrotation sind Strömungen entstanden, die alle Meere verbinden und sowohl das Leben im Wasser als auch an Land beeinflussen. Wie hat sich das Leben im Meer im Laufe der Erdgeschichte entwickelt? Das ist ein Teil der Fragen, die im Laufe der Lektüre aufgeklärt werden.

Masse statt Rasse?
Trotz dieses thematischen Rundumschlags ist Im Bann des Ozeans dem Meer als Lebensraum mit all seinen Bewohnern gewidmet. Die anderen Themen sind bestimmt nicht erschöpfend behandelt, aber ausführlich genug, um einen guten Überblick zu erhalten. An ein paar Stellen hätten Wissenschaftler anderer Disziplinen wohl genauer auf die Formulierung geachtet und nicht geschrieben, dass ein Astronaut im Orbit „nichts wiegt“ oder der Bergsteiger auf dem Mount Everest „186g Masse verliert“ (siehe Kapitel Verbeulte Ozeane, Erdkartoffel und Wellenberge). Fairerweise muss man sagen, dass solche oder ähnliche Ungenauigkeiten in diesem Kontext nicht besonders stören. Hier stolpert höchstens der ein oder andere eingefleischte Physiker. Der Autor schreibt wirklich so, dass es jeder verstehen kann, nicht abgehoben und in schönster Weise populärwissenschaftlich. So macht das Buch auf mich nicht den Eindruck, als hätte sich der Autor „verzettelt“ bei dem durchaus gelungenen Versuch, auch ein bisschen über den meeresbiologischen Tellerrand zu schauen.

Inhalt:
Aus Poseidons Lesebuch
Als die Ozeane geboren wurden
Verbeulte Ozeane, Erdkartoffel und Wellenberge
Ungeheuer gibt es nicht, Monster schon
Warum das Meer blau ist und es dennoch kein „blaues Meer“ gibt
Die Meere und der Urknall der Evolution
Stillstand ist Rückschritt
Väter als Mütter, ein Leben im Weibchen und andere Kuriositäten
Von wegen nur fressen und gefressen werden …
Die größten Baumeister der Erdgeschichte
Heimtückische Camouflage oder auffallen durch Blaulicht?
Megalodon und andere Ungeheuer der Tiefe
Von verklärten Friedensstiftern und entthronten Königen der Meere
Das unbekannte Universum de Tiefsee
Mönchsrobbe, Napfschnecke oder Delfin gefällig?
Ausblick: Ozeane ohne Menschen oder Menschen ohne Ozeane?

Karten im Kopf
Die so genannte Thermohaline Zirkulation ist eine weltumfassende Strömung, wie der Leser lernt, die den Atlantik mit dem Zirkumpolarstrom (dieser kreiselt um die Antarktis), dem Pazifik, sowie dem Indischen Ozean verbindet. Ein Teil davon im Übrigen, der Golfstrom, ist bestimmend für unser Wetter in Europa. Wo die Wasser in die Tiefe abfließen oder östlich von Australien ihre Runden drehen, sich noch verzweigen und wieder zusammenfinden ist zwar beschrieben, aber ohne jede Karte nicht gut nachvollziehbar. Es gibt im Buch leider einige Stellen, die eine Karte zur Veranschaulichung, eine erläuternde Grafik oder auch eine Zeitleiste (z.B. zur Einordnung von Erdzeitaltern) nötig gehabt hätten. Außer dem Rätselraten nach geografischen Örtlichkeiten wie dem Afar-Dreieck oder dem Korallendreieck, wird das Vorstellungsvermögen der Leser auch bei verschiedenen Erklärungen wie der Funktionsweise von Nesselkapseln oder dem Zustandekommen von Monster- oder Riesenwellen auf die Probe gestellt. Ein paar schwarz-weiß-Grafiken hätten an diesen Stellen Wunder gewirkt.

Virtuell oder real?
Natürlich sind solche Schlagworte schnell ergooglet (auch gerne erbingt o.ä.), für die Hardcover-Ausgabe ist das aber kein Kriterium. Apropos: wie üblich hält man mit der Druckausgabe aus dem Gütersloher Verlagshaus ein sauber gebundenes Erzeugnis in Händen, angenehmem Papier, Schutzumschlag und farbigem Bildteil in der Buchmitte. Fehlt nur noch das Bändchen. Leider fehlt aber ein Schlagwortverzeichnis, wodurch die Suche nach Begriffen und Textstellen deutlich erschwert wird. Dieser Minuspunkt gilt selbstverständlich nicht für die eBook-Ausgabe, bei der die Lese-Software mit ihrer Suchfunktion für Abhilfe sorgt. Allerdings sind die Kapitel mit durchschnittlich 15 Seiten relativ klein und mit betitelten Abschnitten doch recht übersichtlich gestaltet.

Moral contra Objektivität
Man erfasst nur in Ansätzen, wie komplex diese ganzen Mechanismen sind – auch die Wissenschaft ist hier noch lange nicht am Ende – und wie zerbrechlich der trügerische Status quo eines intakten Ozeans ist. Ein filigranes Räderwerk fein aufeinander abgestimmter Komponenten, die unseren Lebensraum aufrecht erhalten, so wird es von Robert Hofrichter eindrücklich vermittelt. Sein Anliegen ist deutlich: das Meer ist einer der interessantesten Lebensräume, den es zu erforschen, aber eben auch zu erhalten gilt. Dabei verfällt der Autor glücklicherweise nie ins Predigen oder hebt den mahnenden Zeigefinger. Die Erkenntnis stellt sich im Laufe der Lektüre fast von selbst ein, auch wenn das letzte Kapitel Ausblick: Ozeane ohne Menschen oder Menschen ohne Ozeane? dahingehend sehr explizit betitelt ist.

Robert Hofrichter weiß amüsant und spannend zu erzählen, hat viel erlebt, das er zum Besten geben kann und versteht es, komplexe Zusammenhänge und Vorgänge anschaulich und leicht verständlich zu erklären, soweit das, wie oben erwähnt, ohne jede Grafik oder Karte möglich ist. Im Bann des Ozeans – Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe ist eine faszinierende und leicht zu lesende, trotzdem lehrreiche Lektüre über das Meer als Lebensraum und seine Bewohner.

Copyright © 2018 by Michael Bahner

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