Seltene Vögel

Dominic Couzens
Seltene Vögel

Atlas of Rare Birds, GB, 2010
Haupt Verlag, Zürich (CH), 02/2011
HC, Sachbuch, Natur & Tier
ISBN 978-3-258-07629-4
Aus dem Englischen von Coralie Wink und Monika Niehaus
Titelfoto, Fotos und Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen
Karten von MapStudio

www.haupt.ch
www.birdwords.co.uk/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Der Untertitel verrät, worum es in „Seltene Vögel“ hauptsächlich geht: um „Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene“ in „50 Porträts“. Natürlich ist die Liste der bedrohten Arten noch viel länger, und für das vorliegende Buch musste eine Auswahl getroffen werden von Dominic Couzens, einem renommierten Ornithologen, Journalist und Autor. Er ist außerdem der Verfasser von „Rekorde der Vogelwelt“, ebenfalls erschienen im Haupt Verlag.

Es ist eine traurige Tatsache, dass eine Tierart nach der anderen ausstirbt, manche sogar, ohne dass jemand davon weiß, weil sie niemals entdeckt wurde, und immer mehr werden als gefährdet eingestuft. Davon betroffen sind selbst Tiere, von denen es bis vor wenigen Jahrzehnten noch enorme Bestände gab, doch durch den achtlosen Umgang mit der Natur und rücksichtsloses Gewinnstreben hat der Mensch das natürliche Gleichgewicht aus der Balance gebracht – der Jagdsport, die Bebauung von einzigartigen Lebensräumen, das Ansiedlung fremder Pflanzen und Tiere, Umweltverschmutzung und Klimawandel etc. -, so dass die Populationen dramatisch reduziert oder gar ausgerottet wurden: der Bison, der Tiger und die Wandertaube, um einige Beispiele zu nennen.

„Seltene Vögel“ beschäftigt sich speziell mit der genannten Tiergruppe und stellt 50 Vögel aus der ganzen Welt vor, deren Art stark gefährdet oder sogar schon ausgestorben ist, die man überraschenderweise wieder entdeckte oder die man kein zweites Mal fand und somit auch nicht den Nachweis für ihre Existenz erbringen konnte. Sachlich und spannend schildert der Autor, wie das Zusammenspiel verschiedener Faktoren dazu führt, dass eine Art am Verschwinden ist. Oft, aber nicht immer trägt der Mensch die Schuld daran, denn auch Naturkatastrophen wie ein Vulkanausbruch oder eine Kälteperiode können die Nahrungsquelle oder den gesamten Lebensraum einer Art auslöschen. Beispielsweise bewirkte das Aussterben der Großsäuger, dass Riesenvögel wie der Kondor nicht mehr ausreichend Nahrung (Aas) fanden, so dass ihre Zahl zurück ging und verwandte Arten ausstarben. In der Neuzeit machten die Siedler Jagd auf den Kondor, da sie um ihre Viehherden fürchteten.

Erst die Artenschutzbewegung konnte den Ranchern durch Gesetze Einhalt gebieten und durch Zuchtprogramme den Bestand des Kondors sichern. Während auf der einen Seite ein isolierter Lebensraum für die ungestörte Entwicklung einer Art sorgen kann, erweist sich dies gleichzeitig als problematisch für ihr Überleben, sobald das Gleichgewicht gestört wird. Von Siedlern eingeschleppte Ratten und Katzen plündern die Gelege und gefährdeten dadurch das Überleben von z. B. der Welltaube. Hinzu kommen Großprojekte wie Urlaubsresorts und Villen, durch die Brutstätten und Nahrungsquellen vernichtet werden. Nur der Druck der Öffentlichkeit rettete so manchen Vogel. Bestimmte Arten wie die afrikanische Udzungwawachtel sind stark gefährdet, weil sie der Bevölkerung als Nahrungsmittel dienen. Im Zweiten Weltkrieg verzehrten gestrandete Japaner binnen eines Jahres aus Hunger jede Wake-Insel-Ralle, die seither als ausgestorben gilt. Nur selten hat man das Glück, eine verschwundene Art in einem ähnlichen Lebensraum zu entdecken, sie durch Umsiedlung oder Zucht und Auswilderung in den ursprünglichen Gebieten erneut heimisch zu machen. Ohne diese Bemühungen wären sehr viele weitere Arten, deren Bestand bereits auf weniger als ein Dutzend Tiere zurückgegangen war, verloren gegangen.

„Seltene Vögel“ ist ein informatives Sachbuch voller schöner Farbfotos und Karten, die die jeweiligen Vögel, darunter der Nipponibis, die Große Kragentrappe, der Zwergflamingo, der Fleckenkauz, die Madagaskar-Moorente u. a., in ihrem Lebensraum zeigen. Die Abbildungen haben wenigstens Kreditkartengröße und nehmen bis zu drei Viertel einer Seite ein. Die Geschichte jedes Vogels liest sich faszinierend, und man bewundert die engagierten Menschen, die nicht nur Gelder für den Erhalt bedrohter Arten spenden, sondern selber aktiv werden. Wer sich beteiligen möchte, findet Hinweise zur Organisation ‚BirdLife International‘ nebst weiterführenden Adressen und natürlich auch ein Verzeichnis lesenswerter Bücher und interessanter Links. Vogelfreunde und engagierte Umwelt- und Tierschützer werden diesem Band viele Informationen entnehmen können. Der unbedarfte Leser bleibt nach der Lektüre betroffen und nachdenklich zurück, sensibilisiert für die geschilderten Probleme. Diese sind – dessen ist sich jeder bewusst – lediglich die Spitze des Eisbergs. Noch kann der Mensch etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten – und dazu möchte „Seltene Vögel“ durch eindringliche Schilderungen und beeindruckende Fotos aufrufen.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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