Verkannte Pioniere

Armin Strohmeyr
Verkannte Pioniere

Styria Premium
ISBN: 978-3-222-13507-1
Sachbuch
Erschienen im Mai 2015
304 Seiten; 216 x 136 mm
Kartoniert

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Der Autor

Armin Strohmeyr, geb. 1966, promovierter Germanist, preisgekrönter Buchautor, Herausgeber, Autor zahlreicher Radio-Features, schrieb Gedichte und Theaterstücke und lebt in Berlin. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u. a. viel beachtete Biografien und Porträtsammlungen. Bei Styria: First Ladys (2013).
(Quelle: Styria Premium)

Das Buch

Als ob man es nicht geahnt hätte: wer am lautesten schreit, wer sich am besten produzieren kann, der zieht die größte Aufmerksamkeit auf sich, dessen Wort wird geglaubt und der heimst neben Geld die ganzen Loorbeeren ein. Das zieht sich von der großen Weltpolitik bis in den Mikrokosmos des heimischen Schrebergartens, wo Missgunst, Eigeninteressen oder auch nur Kommunikationsdefizite der Motor für derbe Rangeleien jeder Größenordnung sein können. Auch vor der Welt der großen Erfinder machen solche wenngleich zutiefst menschlichen deshalb aber nicht weniger abstoßenden Eigenschaften nicht halt. Oft sind die Zusammenhänge natürlich komplizierter, kommen viele widrige Umstände zusammen, auch die eigene Starrsinnigkeit, Naivität oder mangelndes unternehmerisches Gespür, was letztendlich dazu beiträgt, pfiffige und geniale Köpfe aus Technik oder Wissenschaft um die Früchte ihrer Errungenschaften zu bringen und unter Umständen sogar ins historische Abseits zu drängen.

Armin Strohmeyr setzt mit seinem Buch „Verkannte Pioniere“ einer Reihe dieser oft zu Lebzeiten verlachten oder gescheiterten Vorreiter und Vordenker ein würdiges Denkmal. Einige dieser Menschen dürften trotz allem heutzutage jedem bekannt sein, vor allem die Errungenschaften, die wir ihnen zu verdanken haben. Eigens zur Veranschaulichung der Mendelschen Vererbungsregeln beispielsweise wurden im Zoo meiner Heimatstadt Mäuse gezüchtet, schwarze und weiße, und den Besuchern präsentiert. Seinerzeit verkannt und weitgehend ignoriert ist Georg (Johann) Mendel heutzutage schon Schulkindern ein Begriff. Ebenso bekannt ist sicher Konrad Zuse mit seinen legendären raumfüllenden Rechenmaschinen, den Vorläufern unserer heutigen Computer.

Den Namen Nikola Tesla dürften zumindest viele mit einer physikalischen Einheit oder einem Elektroauto in Verbindung bringen, auch wenn den wenigsten bekannt sein wird, dass er sich vor allem durch seine Erkenntnisse zum Wechselstrom und dessen Anwendung verdient gemacht hat. Oder Ignaz Philipp Semmelweis, der seinerzeit – zumindest zeitweise – für einen drastischen Rückgang der Todesfälle durch Kindbettfieber sorgen konnte. Seine Erkenntnisse kennt heute jeder Mediziner.  Rosalind Franklin, die wesentlich daran beteiligt war, die Struktur der DNA zu entschlüsseln, hatte das Pech, eine Frau zu sein, noch dazu eine, die genialer und ausdauernder war als ihre männlichen Kollegen. Auch wenn Armin Strohmeyrs Berichte sehr sachlich sind, manchmal sogar recht nüchtern, und er stets mehrere Perspektiven berücksichtigt, tritt hier (wie auch an anderen Stellen) die Dramatik und Verfahrenheit der Situation zutage. Nicht nur, dass Teile von Franklins Arbeiten von anderen benutzt wurden, nicht nur, dass sie um die Anerkennung ihrer Forschungen gebracht wurde, so wurde sie auch noch posthum verunglimpft.

Die meisten der Personen sind allerdings weit weniger bekannt, wie beispielsweise der Franke Gustav Weißkopf, der noch vor den Brüdern Wright den ersten Motorflug unternommen hatte. Oder Richard Trevithick mit seiner Dampfmaschine, die als erste mit Hochdruck arbeitete; Karl Drais, dessen Name zwar in der Draisine verewigt ist, von dem aber kaum jemand weiß, dass er der Erfinder des Laufrades war.

Insgesamt präsentiert Armin Strohmeyr 21 Personen aus vier Jahrhunderten, die er gemäß ihrer Pionierleistungen auf die folgenden, etwas sperrig formulierten Kategorien verteilt: „Medizin, Hygiene, Vererbung: Schutz und Hilfe für das menschliche Leben“ (Jenner, Semmelweis, Mendel, Franklin), „Zu Wasser, zu Lande und in der Luft: Rausch der Bewegung“ (Trevithick, Drais, Ressel, Bauer, Marcus, Weißkopf, Valier, Kober-Essers), „Elektrizität: mit Energie in die Zukunft“ (Kravogl, Tesla) und „Sehen, schreiben, hören, sprechen, orten, rechnen, lasern: neue Wege der Kommunikation“ (Bayard, Byron-Lovelace, Mitterhofer, Reis, Hülsmeyer, Zuse, Maiman).

Komischerweise taucht diese Einteilung nicht im Inhaltsverzeichnis auf, die Überschriften findet man nur über der jeweils ersten Biografie abgedruckt. Das ist aber nicht schlimm, da stört schon eher, dass es bei den vielen Namen und Daten, die im Text auftauchen, weder ein Sach- noch ein Personenregister gibt. Auch Zeitleisten oder chronologische Auflistungen wären sehr hübsch gewesen. Die Biografien selbst sind, wie bereits erwähnt, meist sehr sachlich geschrieben und machen einen durchweg hervorragend recherchierten Eindruck. Das soll nicht heißen, dass Armin Strohmeyrs Stil trocken ist, sondern eher dem Sujet angemessen, auf jeden Fall nicht künstlich dramatisierend oder reißerisch wie man das von manchen Fernsehdokus kennt. Vielleicht ist es gerade das, was die Lektüre überaus fesselnd und die Protagonisten so authentisch macht.

Fazit

Für alle Technik- oder Wissenschaftsbegeisterten ist „Verkannte Pioniere“ von Armin Strohmeyr eine sehr informative und überaus spannende Lektüre.

Copyright © 2015 by Michael Bahner

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