Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel?

Fisch, Florian
Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel?
Erlebnis Wissenschaft

Wiley-VCH Verlag, Weinheim
ISBN:
978-3-527-33886-3
Sachbuch
1. Auflage September 2016
254 Seiten, 50 Abbildungen;
221 x 148 mm
Hardcover

www.wiley-vch.de

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Florian Fisch, geboren 1978, arbeitet als freischaffender Wissenschaftsjournalist in Bern. Er studierte Biologie an den Universitäten Lausanne und Neuchâtel, forschte am botanischen Institut in Basel und promovierte im englischen York in Biochemie. Florian Fisch ist mit Leib und Seele Wissenschaftler geblieben. In Zeitungen und Zeitschriften wie der „NZZ am Sonntag“ und „Laborjournal“ berichtet Florian Fisch von genialen Entdeckungen in der Wissenschaften des Lebens und er hinterfragt die menschlichen Vorgänge in den Tiefen des Labors. Um Wissenschaft und Gesellschaft einander näher zu bringen, schreibt er für den Blog des Kongresses für Wissenschaftskommunikation ScienceComm und pointiert zu Wissenschaft und Medien auf www.sciencesofa.info.
(Quelle: Wiley-VCH Verlag; F. Fisch, Scientoskop, Bern)

Es ist kein Geheimnis, dass Aussagen, die mit „die Wissenschaft hat festgestellt“ oder „Studien haben gezeigt“ beginnen, größere Glaubwürdigkeit genießen als andere. Warum das so ist, scheint klar: Wissenschaftlern vertraut man eben fast uneingeschränkt, vor allem wenn es um Dinge geht, die sich der einfachen und anschaulichen Betrachtung entziehen, wenn Sachverhalte sehr komplex sind oder viel Fachwissen voraussetzen. Im Internet wird man auch schnell fündig, wenn es um das Untermauern einer Behauptung geht – ganz gleich wie sie lautet. Aber sind solche Aussagen dann überhaupt verlässlich, auch wenn sie von Wissenschaftlern stammen? Dass die Lage in Wirklichkeit nicht so einfach ist und dass manches, was man liest oder hört, kritisch betrachtet und hinterfragt werden sollte, ist einer der Punkte, die bei der Lektüre von Florian Fischs Sachbuch Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel? deutlich wird.

Anhand einer Handvoll Themen, die seinerzeit die Gemüter erhitzten oder auch heute noch kontrovers diskutiert werden, zeigt der Autor, wie gewunden und verwinkelt die Wege sein können, auf der wissenschaftliche Wahrheiten verwässert, geleugnet oder ins Gegenteil verkehrt werden. Anders als bei der „Stillen Post“ sind es oft sehr prosaische und offensichtliche Gründe, manchmal auch vorsätzliche, die die Tatsachen verzerren und ein falsches Bild in der Öffentlichkeit etablieren. Ob ein Glas Rotwein täglich das Risiko eines Herzinfarkts mindert oder HIV tatsächlich der Auslöser von AIDS ist, sind zwei der Fragen, denen Florian Fisch nachspürt. Weitere Themen sind u.a. die Genetik und deren Verleugnung unter Stalin, die Evolutionstheorie und der Klimawandel. Zusammen mit verschiedenen Interviews entsteht so ein – sehr komplexes – Bild von wissenschaftlicher Wahrheit, deren Verbreitung und letztlich dem, was sich ins kollektive Bewusstsein einbrennt.

Spannend sind die Geschichten, die Florian Fisch in Wissenschaftlich erwiesen ausbreitet, auf jeden Fall, erhellend und kurzweilig erzählt ebenfalls. Die Interviews sind manchmal ein bisschen abgehoben, vor allem wenn man sich in der Begriffswelt der Geisteswissenschaften nicht so zu Hause fühlt. Der Leser lernt darüber hinaus einiges über die Methodik in der Wissenschaft (oder wie sie sein sollte), über wissenschaftlichen Konsens und über Wissenschaftsjournalismus. Letzten Endes sollte man immer eines nicht verlieren: seine Neugier und ein gesundes Maß an Skepsis.

Copyright © 2016 by Michael Bahner

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