Zeitreisen und Zeitmaschinen – Heute Morgen war ich noch gestern

(sfbentry)
Andreas Müller
Zeitreisen und Zeitmaschinen – Heute Morgen war ich noch gestern

Springer Spektrum
ISBN: 978-3-662-47109-8
Sachbuch, Science-Fiction
Erschienen im Dezember 2015
316 Seiten; 190 x 126 mm
Kartoniert

www.springer.com

ZeitreisenUndZeitmaschinen_SpringerDer Autor

Dr. Andreas Müller ist Astrophysiker und Wissenschaftsautor. Er promovierte 2004 im Fach Astronomie an der Universität Heidelberg und forschte anschließend  am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in München in der Röntgenastronomie über Schwarze Löcher. Seit 2007 ist er als Wissenschaftsmanager im Exzellenzcluster „Universe“ der Technischen Universität München beschäftigt. Als gefragter Referent für öffentliche Vorträge kooperiert er auch mit Schulen und veranstaltet Lehrerfortbildungen für Astronomie, Relativitätstheorie und Kosmologie, wofür er 2012 mit dem Johannes-Kepler-Preis zur Förderung des Astronomieunterrichts von MNU ausgezeichnet wurde. „Zeitreisen“ ist sein drittes Springer-Sachbuch nach „Schwarze Löcher“ (2009) und „Raum und Zeit“ (2012).
(Quelle: Springer Verlag)

Das Buch

Zeitreisen ist eines der großen Themen in der Science-Fiction, darüber hinaus eines, das seit jeher in allen erdenklichen Formen die Menschen fasziniert hat und immer noch fasziniert. Was wäre, wenn man tatsächlich in die Vergangenheit reisen oder einen Blick in die Zukunft tun könnte? Es wird viel und gern darüber geschrieben, philosophiert und gefachsimpelt, wobei die zunehmende Anzahl von Beiträgen und Diskussionen (vor allem im Internet) nicht unbedingt die Qualität der Informationen hebt oder zur Klärung offener Fragen oder Beseitigung von Irrtümern beiträgt. Im Gegenteil. Leider. Man kann in der Fülle der „Fachleute“ echte nicht mehr von selbsternannten unterscheiden, was im Übrigen für beliebige Themen gilt.

Darum ist es besonders erfreulich, dass ein renommierter Astrophysiker und Wissenschaftsautor wie Andreas Müller, der weiß, wovon er spricht, respektive schreibt, sich dieses Kernthemas der SF annimmt – natürlich hauptsächlich aus wissenschaftlicher Perspektive. In seinem Buch Zeitreisen und Zeitmaschinen behandelt er daher – nach einer kurzen Einführung zum Wesen der Zeit – zunächst die Möglichkeiten, die einerseits die etablierte, andererseits aber auch die spekulative Wissenschaft allen Zeitreisenden in spe bieten: schnelle Raumschiffe, die die speziell relativistische Zeitdilatation ausnutzen, den Aufenthalt tief in starken Graviationsfeldern (hier lässt die allgemeine Relativitätstheorie Uhren langsamer ticken) und schließlich eine ganze Reihe theoretischer Merkwürdigkeiten der Raumzeit, die sich unter dem Stichwort „Wurmlöcher“ zusammenfassen lassen. Erfreulicherweise bieten letztgenannte zusätzlich die Aussicht auf einen Abstecher in die Vergangenheit.

Wenn all die technischen  Voraussetzungen geschaffen sind, ergibt sich die Frage, wie die Gesellschaft damit umgehen sollte. Welche Probleme ergeben sich durch Zeitreisen, kann es beispielsweise zu Paradoxa kommen? Wenn ja, wie kann man sie verhindern oder hält das Universum gar einen „Plan B“ in petto, der solche Verwicklungen nicht zulässt? Durch Zeitreisen könnte es auch eine neue Ausprägung der Gewalt geben, vom Autoren treffend als „Chronoterrorismus“ bzw. „Zeitreiseterrorismus“ bezeichnet. Die SF ist voll von solchen und ähnlichen Szenarien und Gedanken. Hier, wie auch im vorherigen Kapitel, zieht der Autor daher gerne Filme und TV-Serien zur Verdeutlichung heran.

Wie sich die Gesellschaft, die Wissenschaft, die Technik uvm. bis zum Jahr 2100 verändert haben mögen, beleuchtet der Autor im 4. Kapitel. Anschließend wirft er einen Blick zurück auf die Gegebenheiten im Jahr 1910, was den Lesern einerseits sehr plastisch vor Augen führt, welche enormen Entwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen gemacht wurden; wie dringend es andererseits in anderen Bereichen (z.B. Klima, Bevölkerung, Ernährung) nötig ist, nachzudenken und zu handeln. Nach einer „persönlichen Zeitreise“ des Autors im letzten Kapitel gibt es ein riesiges Glossar, in dem zwischen „AIDS“ und „Zwillingsparadoxon“ neben dem „Vierervektor“ (aus der Relativitätstheorie) auch die „Vokuhila“ auftaucht, eine lange Literaturliste und ein sehr ausführliches Sachregister.

Mein Fazit

In dem Buch Zeitreisen und Zeitmaschinen zeigt der Astrophysiker Andreas Müller, dass er nicht nur über profunde Kenntnisse in Physik und Astrophysik verfügt, sondern diese auch wunderbar populärwissenschaftlich an die Frau oder den Mann bringen kann. Ein Buch, das neben viel Wissen auch jede Menge Spaß vermittelt und ein bisschen zum Nachdenken anregt. Hervorragend geeignet für die Hängematte, auch wenn man statt des Caipirinhas lieber ein Getränk ohne Alkohol auswählen sollte, um auch alle – wissenschaftlichen oder sonstigen – Details mitzubekommen. Es lohnt sich.

Copyright © 2016 by Michael Bahner

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