Odyssee

Jack McDevitt
Odyssee

Priscilla Hutchins (Academy) 5
Odyssey, USA, 2006
Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach, dt. Erstausgabe: 2/2008
TB, SF 24369
ISBN 9783404243693
Aus dem Amerikanischen von Frauke Meier
Titelillustration von Bob Eggleton
www.luebbe.de
www.sfwa.org/members/McDevitt/
www.bobeggleton.com/

Das Werk des US-amerikanischen Autors Jack McDevitt weist zwei Future Histories auf: Eine umfasst die Romane „Gottes Maschinen“ (Bastei-Lübbe SFTB 24208), „Die Sanduhr Gottes“ (Bastei-Lübbe SFTB 24231), „Chindi“ (Bastei-Lübbe SFTB 24328) und „Omega“ (Bastei-Lübbe SFTB 24341).

Die Romane sind in der nahen Zukunft angesiedelt. Die Menschheit hat den Hyperantrieb entwickelt und in einem bescheidenen Rahmen Forschungsraumschiffe in das Weltall gesandt, kleine Raumstationen errichtet und diverse Planeten erforscht. Die Erde in den Romanen ist der heutigen sehr ähnlich, was die politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Konstellationen angeht.

Hauptfigur ist in den ersten drei Romanen die Pilotin Priscilla Hutchins. In „Gottes Maschinen“ trifft sie auf die etwa 40.000 Kilometer umfassenden Omega-Wolken, die zielsicher bewohnte Planeten ansteuern und zerstören. In „Die Sanduhr Gottes“ stellt sich ihr die Aufgabe, sich selbst und ihre Passagiere von einem Planeten zu retten, der mit einem anderen Himmelskörper kollidiert. „Chindi“ beschreibt die Begegnung mit einem planetoidengroßen, verlassenen Generationenraumschiff und dessen Erforschung. In „Omega“ bedrohen die Omega-Wolken einen von einer extraterrestrischen Rasse bewohnten Planeten; in diesem Roman agiert Priscilla Hutchins im Hintergrund als Direktorin der Raumfahrtakademie.
Die Romane zeichnen sich durch originelle Entwürfe außerirdischer Artefakte wie Bauten, Raumschiffe, Monumente und Phänomene (Omega-Wolken) aus. Ihre Erforschung wird mit diversen (manchmal unsinnigen und überflüssigen, vor allem in „Die Sanduhr Gottes“) Zwischenfällen, Komplikationen und ihrer Lösung verbunden. Auch die zeitliche Nähe zur Gegenwart und der wohltuende Verzicht auf technischen Gigantismus tragen zur Authentizität der Romane um Priscilla Hutchins bei.

„Odyssee“ ist der fünfte Roman dieser Future History, in dem Priscilla Hutchins abermals an ihren Schreibtisch in der Raumfahrtakademie gefesselt ist. Das Raumfahrtprogramm wird in der Öffentlichkeit kritisch hinterfragt, so dass für Hutchins die Havarie eines Akademieraumschiffs katastrophal ist. Später beschäftigt sie sich mit den Moonrider-Sichtungen – schwarze, glockenförmige Raumschiffe, die den Fahrzeugen der Menschen zwar nahe kamen, mit ihnen aber nie Kontakt aufnahmen – und rüstet eine Suchexpedition aus. An Bord befindet sich der Journalist McAllister, der spätestens ab diesem Zeitpunkt Hutchins noch weiter in den Hintergrund zurückdrängt, als es bereits in „Omega“ der Fall war.

Die Situation eskaliert, als die Erde fast von einem Asteroiden getroffen und festgestellt wird, dass ein weiterer Gesteinsbrocken Kurs auf einen belebten Planeten genommen hat – Attentate der Moonrider? Ein Weltraumhotel im Bau wird durch einen Asteroiden zerstört. Außerdem verdichten sich die Hinweise, dass die Moonrider auch den Hypercollider Origins Project, der neunzehn Lichtjahre von der Erde entfernt errichtet wurde und in dem der Urknall nachvollzogen werden soll, ins Visier nehmen.

In „Gottes Maschinen“, „Die Sanduhr Gottes“, „Chindi“ und in „Omega“ spielten nicht nur ausgestorbene, sondern auch existierende außerirdische Zivilisationen gewisse Rollen, so dass es nahelag, Aliens auftauchen zu lassen, die aktiv die Raumfahrt betreiben. Es ist auch in Ordnung, dass eine Kommunikation mit ihnen nicht zustande kommt. Die Omega-Wolken blieben ebenfalls rätselhaft, auch wenn sie im Gegensatz zu den Moonridern erforscht werden konnten. Immerhin bleibt McDevitt dem friedfertigen Charakter der vorherigen Hutchins-Romane aber letztendlich treu. Ansonsten aber ist „Odyssee“ ein Roman, der Intrigen beschreibt, zwischen Politikern, der Akademie und Konzernen – und unterscheidet sich deshalb von „Gottes Maschinen“, „Die Sanduhr Gottes“, „Chindi“ und „Omega“ deutlich.

Die Nähe des Handlungszeitpunktes zur Gegenwart erweist sich in „Odyssee“ als nachteilig: Das mögliche Ende der bemannten Raumfahrt ist Gegenstand der Intrigen, das Problem des Klimawandels wäre in zwei, drei Jahrhunderte in der Zukunft gelöst oder hätte in die Katastrophe geführt, und die Passagen, in denen ein Gerichtsverfahren beschrieben wird, in denen eine Attacke gegen einen Geistlichen verfolgt wird, hätte sich zur Kürzung angeboten, da das Urteil milde ausfällt und dem religiösen Fanatismus damit sein bedrohlicher Charakter genommen wird. Klischeehaft ist es, dass sich bei der Evakuierung von Origins Project jene Pilotin opfert, die die Raumfahrtakademie zuvor verriet.

„Odyssee“ ist ein unwürdiger Abschluss der Romane um Priscilla Hutchins. Es ist nicht anzunehmen, dass weitere Romane folgen werden, da die Protagonistin auch am Ende von „Odyssee“ ihren Schreibtisch nicht verlässt. Die Romane „Gottes Maschinen“, „Chindi“ und „Omega“, auch der mit Schwächen behaftete Band „Die Sanduhr Gottes“, sind empfehlenswerter als „Odyssee“. (armö)

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