Planet der Sonnen

planet-der-sonnenKarl Schroeder
Planet der Sonnen
Virga Band 1

(sfbentry)
Heyne, Magische Bestseller (2010)
ISBN 978-3-453-52626-6
Originaltitel: „Sun fo suns” (2006)
Umfang: 446 Seiten
Taschenbuch, Science Fiction
Übersetzer: Irene Holicki
Titelbild: Ioan Dumitrescu

www.heyne-magische-bestseller.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Vorwort

Der Physiker Freemann Dyson hatte 1960 einige Modelle einer nach ihm benannten hohlen Kugelwelt beschrieben, welche auf ihrer Innenschale einer Zivilisation erheblich mehr Raum bieten könnte als ein normaler Planet wie die Erde, und in deren Zentrum eine Sonne für Licht, Wärme und Photosynthese sorgen könnte. Diese Idee, diese Dyson-Sphäre, wurde schon oft von Science-Fiction-Autoren aufgegriffen. Leider  ist sie aus verschiedenen physikalischen und materialtechnischen Gründen nicht wirklich realisierbar. „Planet der Sonnen“ ist ein weiteres Beispiel dieses Subgenres. Erst nach längerem Lesen wird einem diese Tatsache bewusst und über die äußere Form herrscht auch nach Abschluss der Lektüre bei mir immer noch Verwirrung. Doch dazu mehr am Ende der Rezension.

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Innerhalb von Virga gibt es tausende von Asteroiden, künstlichen Minikontinenten, riesigen Habitaten, bis hinunter zu größeren und kleineren Städten und Dörfern, ja sogar einzelne Gehöfte. Nur die besser gestellten, reichen Körper dieser Art haben die Möglichkeit, sich in Rotation zu versetzen und diese aufrecht zu erhalten, um wenigstens ein wenig annehmbare Schwerkraft zu erzeugen. Es liegt in der Natur der Menschen, welche diese einzelnen Stadtstaaten und Nationen bevölkern, dass diejenigen, die völlig ohne Schwerkraft auskommen müssen, körperlich darunter leiden und sich auch entsprechend im Körperbau verändern.

Dies und die Tatsache, dass nicht längst alles, was von Menschen bewohnt wird, im Wirkungskreis einer eigenen Sonne liegt, schafft Neid und Missgunst, Machtanspruch und Machtmissbrauch. So ist es kein Wunder, dass viele kleine und große Völker und Nationen im Krieg miteinander stehen. Dazu gibt es mehr als genug Ausgestoßene, Verbrecher und Piraten, die sich – wie immer – an den Schwächeren gütlich tun. Der junge Hayden Griffin, Bewohner der kleinen Nation Aerie, wird Zeuge der Vernichtung seiner Heimat und seiner Familie. Es stürzt in das schwerelose Nichts – den Winter – und kann nur mit Mühe überleben und fortan nur einen Gedanken hegen: Der Rache an Admiral Chaison Fanning von der wandernden Nation Slipstream, die er für den Tod seiner Welt verantwortlich macht.

Die weitere Handlung möchte ich nur insofern beschreiben, das der Leser miterlebt, wie Hayden mehr durch Zufall ausgerechnet in den Haushalt der Familie Fanning kommt, mehrere „Piraten“-Abenteuer an der Seite seiner Zielperson erlebt und am Ende eingestehen muss, dass er über die vielen Jahre hinweg seinen Hass auf die falsche Person fokussiert hat.

Fazit

Das eigentlich… interessante an „Planet der Sonnen“ ist die Welt Virga selbst und die Art und Weise, wie ihre Bewohner ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Kriege mit überwiegend nicht vorhandener Schwerkraft meistern. An meiner zögerlichen Wahl eines zutreffenden Attributes ist zu erkennen, dass ich mir schwer tue den Roman als Ganzes zu beurteilen. Im ersten Drittel ist man fasziniert vom Eintauchen im wahrsten Sinne des Wortes in eine neue, fremde Welt. Die Beschreibung der Habitate, die Kopf stehende, verdrehte und filigrane Architektur hat etwas für sich. Auch die Fahrzeuge, hölzernen und gepanzerten Schiffen aus der Segelschifffahrt, „verbessert“ mit Gasbetriebenen Raketenantrieben, Jägerstaffeln aus kleinen Bikes sind schlichtweg exotisch schön.

Doch diese Lust wird rasch gemindert, durch die recht banale Geschichte der Rache Haydens an Fanning. Die auf dem Cover aufgeführten Fragen werden nur zum Teil beantwortet und dies eben… unbefriedigend. Wäre eine Schulnote zu vergeben, wäre genau das meine Wahl. Eine Frau, der Hayden begegnet und in die er sich verliebt, behauptet, von außerhalb Virgas zu kommen. Ist sie eine Vertreterin des Volkes, welches Virga einst erbaut hatte? Man hofft hier auf eine ähnlich fantastische Begegnung wie in Larry Nivens unerreichtem Klassiker „Ringwelt“, doch leider ist dem nicht so.

Andere Rezensenten fanden heraus, das Virga eine Kugel mit nur etwa 5.000 km Durchmesser wäre, einen solchen Hinweis habe ich nicht entdeckt. Überhaupt deuten einige Punkte eher auf einen hohlen Ring hin, wie etwa die Tatsache, dass die Nation Slipstream (nomen est omen) auf ihrem Weg durch Virga am Ende wieder dort hingelangt, wo sie irgendwann einmal gestartet ist. Auch riesige Bereiche, die in völliger Dunkelheit liegen, da keine Sonne in der Nähe ist, sprechen eher für einen hohlen Schlauch, denn für eine Kugel.

Es steht zu hoffen, das die drei weiteren Bände, die im amerikanischen Original schon vorliegen, hier mehr bieten. Mehr Spannung, mehr Geschichte, mehr Emotionen, mehr Phantastik, schlicht mehr Science Fiction.

Copyright © 2010 by Werner Karl
 
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