Yeager

cherryh_yeagerC. J. Cherryh (d.i. Carolyn Janice Cherry, 1942- )
Yeager

München: Heyne Verlag 1991 411 S. (Heyne SF und Fantasy Nr. 4824)
Originaltitel: Rimrunner (1989) (sfbentry)
Aus dem Amerikanischen von Rosemarie Hundertmark

Geschildert wird die Geschichte einer jungen Raumsoldatin der – ehemals – terranischen Raumflotte die im Zuge des Krieges zwischen Union, Allianz und Erdkompanie hinter die feindlichen Linien, auf die mehr oder weniger bedeutungslose Thule-Station verschlagen wurde und sich nun ohne Arbeit, ohne Geld und Unterstützung Gleichgesinnter in einer feindlichen Umwelt durchschlagen muß, ohne dabei aber ihre tatsächliche Identität preiszugeben. Und da es ihr sehnlichster Wunsch ist, wieder zu ihrer Truppe, wieder auf ihr Schiff, zurückzukommen, daß aber wohl kaum jemals an die Außenhaut dieser Station andocken wird, sich in ganz anderen Gefilden bewegt, ist sie natürlich darauf aus, sich einen Job auf irgendeinem der Schiffe zu sichern, welche an die heruntergekommene Station anzudocken pflegen, damit sie überhaupt erst einmal von dort wegkommt. Bevor ihr dies aber gelingt, muß sie sich vor den Übergriffen der Männer, der Dockarbeiter und Kneipengänger, der Loser und Gelegenheitsmachos schützen, die in ihr ein leicht zu erlegendes Beutestück wittern, da sie ohne Essen, Schlafplatz und frischer Kleidung schon von ihrem Äußeren her wie eine Einladung wirkt.

Es gelingt ihr zu überleben, doch wird sie dabei zur zweifachen Mörderin, und nur die Intervention des Käptens der „Loki“, eines umgebauten bewaffneten Raumers zweifelhafter Herkunft mit einer seltsamen, bunt zusammengewürfelten Besatzung – nach dessen Andocken Yeager sofort anzuheuern versuchte -, kann sie nach Bekanntwerden ihrer Tat vor der Gerichtsbarkeit der Stationspolizei retten. Doch scheint Yeager vom Regen in die Traufe gekommen, denn schon kurz nach Ablegen des Schiffes von der Station in Richtung eines ihr unbekannten Zieles, erkennt sie, daß sie sich an Bord eines Geisterschiffes, eines „Rimrunners“, befindet, welches die Überreste der geschlagenen terranischen Flotte aufzuspüren und zu vernichten sucht: jene Schiffe, auf denen Yeager einstmals als Soldatin ihren Dienst verrichtete. 

An Bord der Loki ist sie zu Anfang noch für die niederen Dienste, wie Bodenreinigung und ähnliches zuständig, um sich nach und nach in der Hierarchie der Mannschaft einen Platz zu sichern, der ihr Gelegenheit gibt, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten voll auszuschöpfen. Dabei lernt sie einen weiteren Außenseiter, Ramey, kennen, dem die junge Frau aus seiner depressiven Isolation verhilft und diesem wieder die Möglichkeiten der Kommunikation und des Zusammenleben mit Anderen ermöglicht, ohne die sich das Leben an Bord eines solchen Schiffes zu blankem Wahnsinn steigern kann. So findet schließlich auch Yeager im Laufe der Zeit ihren Platz, ihre Partner, ihre Freunde, aber auch ihre Feinde an Bord dieses Schiffes; legt Intrigen offen, die in ihrer Wirkung bis zur Führungsspitze des Schiffes reichen, für die sie dementsprechend gelobt und getadelt wird. Und ausgerechnet in dieser veränderten Situation, dieses ihr langsam vertraut werdenden Umfelds, kommt es zum feindlichen Kontakt mit einem ihrer früheren Schiffe, dessen Führung sie ja auch einmal Treue und Loyalität geschworen hatte.

Yeager ist ein weiterer Roman zu C. J. Cherryhs Future History um die Machtgeplänkel zwischen der Union, der Allianz, der Erdkompanie und mit diesen drei Mächten verbundenen Verbündeten oder erzwungenen Mitläufer. Was einmal mit Pells Stern und Kauffahrers Glück begonnen hatte, mit 40.000 in Gehenna fortgesetzt wurde, in losem Zusammenhang zu Der Engel mit dem Schwert steht und einen Blick aus der Sicht der anderen Seite mit der Cyteen-Trilogie erlaubte (und wohl auch irgendwann mit dem Chanur-Zyklus verbunden, wenn nicht gar mit allen anderen Romanen der Autorin in räumlicher oder/und zeitlicher Abhängigkeit miteinander verknüpft werden wird) findet mit dem vorliegenden Werk ein brillantes Zwischenspiel.

Cherryh plädiert in ihrem Roman für mehr Menschlichkeit, ohne dabei den Zeigfinger zu erheben, zeigt die Geschehnisse aus der Sicht einer einfachen Soldatin, die ebenfalls ihre Fehler hat, sich des öfteren von Stimmungsumschwüngen leiten läßt, dennoch aber nicht den Blick für den anderen Menschen verloren hat. Trotz eigenem harten Schicksal und oft erlebter Reinfälle, ist es ihr immer noch möglich, zu vertrauen, sich der Freundschaft anderer sicher zu sein. Die Welt des Raumschiffs mit ihren Intrigen, politischen Konflikten und gegenseitigen Feindschaften zwischen den Mannschaftsmitgliedern und Offizieren ist dabei nur ein kleineres Modell für das Leben draußen, außerhalb der stählernen, schützenden Hülle der Loki.

Yeager ist ein einfühlsames Buch über die Konflikte zwischen Menschen die auf engstem Raum miteinander auskommen müssen, eine fiktive Sozialstudie im Gewand eines Science Fiction-Romans mit Blick aufs Zwischenmenschliche.

(Detlef Hedderich/Thomas F. Roth)

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Yeager. Ein Roman aus dem Pell- Zyklus.

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