Im Wandel der Zeiten

Vlaada Chvátil
Im Wandel der Zeiten
(sfbentry)

Pegasusu Spiele Brettspiel
2-4 Spieler
ab 120 Minuten
ab 12 Jahren
Erschienen: 02/2009
www.pegasus.de

(sfbentry)

„Im Wandel der Zeiten“ ist ein umfangreiches Strategiespiel, das mit Karten, einem zentralen Spielplan und kleinen Zivilisationsbrettern gespielt wird. Ziel ist es, seine Nation aus der Antike in die Moderne zu führen. Dabei lehnt sich das Spiel stark an den Klassiker „Civilization“ (Brettspiel ab 1980, Computerspiel ab 1991) an. Unter anderem kann der englische Titel „Through the Ages – A Story of Civilization“ als entsprechendes Wortspiel verstanden werden und bildet die Anführerkarte „Spieleerfinder“ die Silhouette von Sid Meier ab – der bekanntlich „Civilization“ als Computerspiel schuf.

Das Zeitalter der Moderne zu erreichen ist an sich schon eine Herausforderung. Um das Spiel zu gewinnen gilt es allerdings, die meisten Kulturpunkte zu besitzen. Diese werden im Laufe des Spiels aufgebaut und am Ende gibt es eine finale Abrechnung. Die findet – je nach Spielart – etwas anders statt. So kommt im Wandel der Zeit in drei Spielstufen daher: Anfängerspiel, Fortgeschrittenenspiel und Expertenspiel.

Im Anfängerspiel geht es primär um den Aufbau der eigenen Zivilisation und das Erreichen des Mittelalters. Die zusätzlichen Kulturpunkte werden am Ende nach einem festen System abgerechnet. Im Fortgeschrittenenspiel können Kolonien gegründet, Pakte geschlossen und Angriffe gespielt werden. Ab hier spielt man bereits bis zur Neuzeit und wird mit variablen Bedingungen die Endabrechnung durchgeführt. Im Expertenspiel wird bis zur Moderne gespielt und gewinnen militärische Einheiten an Macht, gibt es – unter anderem – nun auch die Luftwaffe.

Auf dem Spielplan werden die Kulturpunkte, Forschungspunkte und die militärische Stärke nachgehalten. Somit haben alle Spieler im Blick, wie es scheinbar um die anderen Zivilisationen bestellt ist. Das verleitet manchmal zu einem Angriff – der aber schnell scheitern kann. „Im Wandel der Zeiten“ operiert zwar auch mit militärischen Einheiten, ist aber kein Angriffs- oder gar Eroberungsspiel.

Jeder Spieler besitzt ein Zivilisationsbrett, das sich im Zentrum seines Bereichs befindet. Hier wird die Bevölkerung und deren Glücksseligkeit nachgehalten, Nahrung und Rohstoffe produziert und liegen auch die Marker für zivile und militärische Aktionen. Außerdem sind dort die grundlegenden Bauten und Technologien der Antike zu finden, die erweitert werden können. Es ist auch möglich die Regierungsform zu wechseln, einen Anführer zu erwählen oder gar ein Weltwunder zu bauen. Hinzu kommt das Schließen von Pakten, die Erforschung neuer Technologien und das gewinnen von Territorien.

Je größer die Bevölkerung, um so teurer die Ernährung. Je mehr produziert wird, um so größer die Gefahr der Korruption. Je unzufriedener die Leute, um so weniger Leute gehen ihrer Arbeit nach. Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten seine Zivilisation aufzubauen – und im Hinterkopf muss man immer bedenken, dass sich die Zeiten wandeln.

Das wird durch eine zentrale Kartenreihe und verschiedene Kartenstapel simuliert, die jeweils ein Zeitalter abdecken. Mit jedem Spieler der seinen Zug beginnt fallen Karten aus der Reihe heraus und schreitet die Zeit voran. Das bedeutet, das etliche Dinge nie geschehen, bestimmte Erfindungen untergehen oder auch berühmte Anführer niemals das Licht der Welt erblicken. Beginnt ein neues Zeitalter, sind auch viele veraltete Errungenschaften zerstört und Anführer sterben. Dieser Mechanismus ist sehr elegant.

Überhaupt machen die Mechanismen großen Spaß und simulieren perfekt die verschiedenen Zusammenhänge. Allerdings muss jede Runde einiges an Karten gezogen, ausgespielt und müssen scheinbar unzählige kleine Holzpöppel verschoben werden. Es ist da schon einiges an Material in der Kiste, das gebraucht wird. Die deutsche Auflage der Spiels zeichnet sich durch eine hochwertige Produktion und gute Übersetzung aus. Leider gibt es zu wenig mitgelieferte Tütchen und wer sich daheim keine Aufbewahrungsmöglichkeiten sucht oder bastelt, wird viel Zeit mit sortieren verbringen. Bei den Karten reichen allerdings schon einfache, schnell gebastelte Banderolen oder einfache Gummibänder aus.

Die Spieldauer ist mit zirka 120 Minuten angegeben. Bei einem Spiel mit zwei Personen kommt das ungefähr hin. Für jeden weiteren Spieler sollte man auch eine weitere Stunde einplanen. Bei den anfänglichen Partien ist sogar mit ein wenig mehr Zeit zu rechnen, da die komplexen Regeln erst einmal gelesen und verstanden werden wollen. Diese sind zwar umfangreich und gegliedert, lassen aber ein wenig an Struktur und einem Glossar vermissen. So gestalten sich die ersten Runden als ein hin- und hergeblättere im Regelheft und lesen der Beispiele.

Die vielen Beispiele sind zwar hilfreich, aber dennoch verbirgt sich das ein oder andere Detail manchmal irgendwo im Regeltext. Wurden die Regeln aber endlich verstanden, läuft eine Partie recht flüssig. Sobald man „Im Wandel der Zeiten“ öfter gespielt hat, weiß der Spieler auch worum es geht und offenbaren sich langsam die Kombinationen bestimmter Karten. Die können spielentscheidende Vorteile mit sich bringen, müssen aber erst einmal in Erfahrung gebracht werden. Das geschieht vor allem durch Spielpraxis.

„Im Wandel der Zeiten“ ist ein hervorragendes und gelungenes Strategiespiel, dass allerdings Zeit und Geduld braucht. Auf Grund seiner großen Komplexität sollten Gelegenheitsspieler allerdings die Finger von dem Spiel lassen. Leute mit einem Faible für Strategiespiele werden dagegen erstklassig bedient.
(Günther Lietz)

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