Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum

kohle-e28093-mit-volldampf-zum-reichtumMartin Wallace
Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum

Heidelberger Spieleverlag & Pegasus Spiele, Friedberg, 2/2009
Brettspiel in Pappbox für 3 – 4 Spieler ab 12 Jahren, Strategie/Wirtschaftssimulation
Artikelnummer 51350
EAN 4250231711350
Spieldauer: ca. 120 – 180 Min.
Bearbeitung der dt. Ausgabe und Übersetzung aus dem Englischen von Thygra-Spiele-Agentur
Titelillustration von Eckhard Freytag
Illustrationen von Peter Dennis

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Bereits im späten 18. Jahrhundert begann die Entwicklung, die die Industrielle Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts einleiten und die Welt für immer verändern sollte. Dank des Aufbaus von Manufakturen und der Erfindung von Dampfmaschinen konnten nach und nach immer effektiver Rohstoffe verarbeitet werden, vor allem zu Stoffen. Im englischen Lancashire begann man als Erstes mit dem Aufbau von Baumwollmanufakturen und ermöglichte so die schnelle und billige Herstellung von Garn und anderen Produkten. Der eine zog den anderen Wirtschaftszweig nach.

Spielziel:
In „Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum“ geht es genau um diese Epoche. Die Spieler schlüpfen in die Rollen von mutigen Unternehmern, die erste Baumwollspinnereien eröffnen, um den aus den Kolonien importieren Rohstoff zu verarbeiten. Das geht erstmals maschinell, da es gelungen ist, neuartige Maschinen zu konstruieren, die mit Dampfkraft angetrieben werden. Doch diese benötigen mehr Kohle als früher. Und so blüht auch dieser Zweig auf, da die Produktion erhöht und die Stollen noch tiefer in die Berge getrieben werden. Auch die Transportwege müssen optimiert werden, und so begann man, das Kanalnetz von den Hafenstädten aus ins Landesinnere zu erweitern, aber auch Flüsse zu verbinden, um nicht mehr nur auf den Landweg angewiesen zu sein. Schließlich ersetzt die Eisenbahn die Schiffskähne. Es gilt nun auch, dieses Netz aufzubauen. Doch auf was konzentriert man sich mehr – auf die Manufakturen und Fabriken oder den Ausbau der Transportwege? Wann ist es sinnvoll, neue Technologien zu entwickeln? Und schließlich sollte man nicht nur auf den Verdienst schielen, denn manchmal zahlt es sich aus, Kredite aufzunehmen und frühzeitig zu investieren. Letztendlich siegt der, dem es nach Ablauf aller Spielrunden gelungen ist, die meisten Siegpunkte einzufahren.

Aufmachung:
„Kohle“ ist in der Gestaltung bewusst im Stil der viktorianischen Zeit angelegt. Die Abbildungen auf den Karten und Markern wirken wie altertümliche Buchillustrationen und sind mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Auch das deutsche Cover macht durch die Herren in Frack und Zylinder sehr deutlich, welche Zeit die Hauptrolle spielt. Insgesamt bietet das Brettspiel sehr viel Material: Neben dem Spielplan gibt es bald zweihundert verschiedene Marker (Industrien, Transportwege etc.), hundert Plastikmünzen und siebzig Spielkarten, sowie eine Spielanleitung. Die Marker und Plättchen aus Pappe sind sehr stabil, auch die Karten verknicken nicht so leicht. Das Design ist angenehm übersichtlich gestaltet und anhand der Farben sehr gut voneinander zu unterscheiden, so dass man nicht lange beim Sortieren überlegen muss, was jetzt eigentlich was ist.Trotzdem ist es ratsam, die beigefügten Musterbeutel zu benutzen und die unterschiedlichen Marker darin zu verstauen, um die bald zweihundert Teile nicht jedes Mal sortieren zu müssen. Es hilft auch, dabei nichts von den teilweise doch sehr kleinen Spielsteinen und Plättchen zu verlieren. Das Spielbrett ist angenehm groß und bietet sehr viel Platz zur Verteilen der Karten und Marker. So bleibt auch im Eifer des Gefechts die Übersicht gewahrt. Dem Ganzen beigefügt ist eine ausführliche Spielregel.

Spielregeln:
Die sechzehnseitige Spielregel macht sehr deutlich, dass „Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum“ kein Anfängerspiel ist. Zwar wurde sie ausführlich und übersichtlich gestaltet, aber ganz so verständlich, wie man sie sich beim ersten Durchlesen wünscht, ist sie leider nicht. Denn die einzelnen Abschnitte sind mit vielen Informationen voll gestopft, die man erst einmal Schritt für Schritt durchgehen muss, um sie wirklich nachvollziehen zu können. Deshalb sollte man schon ein wenig Erfahrung mit Wirtschaftssimulationen und vor allem eine Menge Geduld mitbringen, wenn man wirklich Zugang finden möchte. Am sinnvollsten ist es ohnehin, erst einmal ein Probespiel durchzuführen und durch ‚Learning by Doing’ nachzuvollziehen, was von einem erwartet wird, ehe man wirklich loslegen kann.

Spielverlauf:
Schon die Vorbereitung kostet einiges an Zeit, da unter anderem erst einmal die ganzen Marker nach Anleitung sortiert und in Startposition gebracht werden müssen, damit man im Verlauf des Spiels nicht erst danach suchen muss. Die Spieler müssen sich darauf einigen, wer anfängt und erhalten die ersten Karten. Das Spiel ist in zwei Schritte unterteilt, die jeweils mehrere Spielrunden umfassen. Eine Spielrunde ist in verschiedene Schritte aufgeteilt, welche die Spieler nacheinander ausführen, damit keiner die Strategie des anderen beobachten und in seinem Spielzug Gegenmaßnahmen einleiten kann. Die Spieler haben die Möglichkeit, mehrere Aktionen auszuführen. Zunächst erhalten sie acht Orts- und Industriekarten, die ihr weiteres Vorgehen bestimmen, kassieren Einkommen, dann spielen sie die aufgenommenen Karten in Spielerreihenfolge aus und können bestimmte Aktionen durchführen, d. h. etwa einen Betrieb an einem bestimmten Ort neu oder weiter aufzubauen, sofern die Kapazitäten ausreichen, Kohle und Eisen heran schaffen, aber auch die Transportwege ausbauen.

Später ist es möglich, die geschaffenen Industriestandorte aus- und zu überbauen, neue Technologien zu entwickeln, die den Transport schneller und die Produktion effektiver machen. Schließlich ist es auch wichtig, die produzierte Baumwolle zu verkaufen, um mit dem Erlös neu investieren und Schulden abbezahlen zu können, sei es nun an einen Hafen oder gar auf einen fernen Markt. Von Bedeutung ist auch, die Nachfrage im Auge zu behalten und zu reagieren, bevor es zu spät ist. Manchmal muss man einige Züge voraus denken oder seine Strategie wieder vollkommen ändern, aber dennoch kann es passieren, dass man aufs falsche Pferd setzt. Danach wird die neue Spielerreihenfolge festgelegt. Der Spieler, der am wenigsten Geld ausgegeben hat, fängt an. Zuletzt werden die Handkarten wieder aufgefüllt, und man beginnt von neuem. Alles in allem bietet gerade die Aktionsphase eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich selbst voran zu bringen und andere zu blockieren. Am Ende der ersten Periode, in der nur Kanäle gebaut werden konnten, werden die Siegpunkte ermittelt, ehe man auf die erweiterte Eisenbahnphase eingeht, die etwas mehr Variation – aber auch Fallen und Tücken für den unaufmerksamen Spieler – bieten. Wer aus dieser Phase mit den meisten Siegpunkten hervor geht, die es im Übrigen für Einkommen und aufgebaute Transportwege und Industrien gibt, ist auch der Sieger des Spiels und hat das Rennen um Macht und Reichtum gewonnen.

Spielspaß:
Wenn man etwas bei diesem Spiel braucht, dann ist es Geduld und die Fähigkeit, einige Runden voraus zu denken und dann auch noch multitaskingfähig zu sein. Denn einfach ist „Kohle“ nicht gerade, fordert es doch zu sehr komplexen und trickreichen Spielzügen heraus, die nicht so leicht zu überschauen sind. Wer nur ein wenig die Konzentration fallen lässt, kann leicht Fehler machen, und die werden einem in diesem Spiel ganz und gar nicht verziehen, wie man schon bald schmerzhaft merkt. Deshalb sollte auch die Spielerzusammensetzung nicht all zu unterschiedlich sein, die Leute müssen alle etwa das gleiche Niveau besitzen. Denn auch wenn man sich nicht direkt begegnet und mehr oder weniger für sich alleine agiert, kann man bis zu einem gewissen Grad doch Einfluss auf die Aktionen der anderen nehmen, wenn es zum Beispiel gelingt, Häfen oder Standorte zu blockieren. Zudem ist die angegebene Spielzeit eher illusorisch. Man sollte auch, wenn man bereits mehrere Runden gespielt hat, lieber gleich einen halben Tag und drei bis sechs Stunden einkalkulieren, wenn man „Kohle“ in allen Facetten auskosten möchte. Vor allem Experten, die Wirtschaftssimulationen mögen, bei denen alles ein wenig komplexer und risikoreicher ist, werden ihre Freude an dem Spiel haben. Wer aber nur einen harmlosen und schnell spielbaren Spaß wie etwa „Monopoly“ erwartet, wird sehr schnell eines Besseren belehrt und auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Fazit:
Alles in allem ist Kohle kein Brettspiel für Anfänger, sondern richtet sich an all diejenigen, die von einer Wirtschaftssimulation komplexe Abläufe und knifflige Strategien erwarten. Man sollte auf jeden Fall eine Menge Zeit und Geduld aufwenden, um sich mit dem Spiel vertraut zu machen, ehe man es voll und ganz genießen kann.

Christel Scheja (CS)
 
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Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum

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