Taverne ‚Zum Roten Drachen’

Geoff Bottone, Coleen Stadl und Cliff Bohm
Taverne ‚Zum Roten Drachen’

Pegasus Spiele, Friedberg, 8/2008
Kartenspiel in Pappbox, Fantasy, Artikelnummer 17730G
EAN 4250231773006
Titelbild und Illustrationen von Kennon James, Cold Fu Zion Studios und Beth Trott
Aus dem Englischen von Niels Stephan
www.pegasus.de
www.kennonjames.com
www.bethtrott.com

Spielziel:
Was tut eine Heldengruppe, wenn sie ein Abenteuer erfolgreich hinter sich gebracht und die Taschen voller Gold hat? Richtig – sie gehen in eine Taverne und beschließen, munter zu feiern. So auch die vier Recken Deidre, Fiona, Gerki und Zot, in deren Rollen man schlüpft. Im Verlauf des Abends versuchen sie, einander nicht nur unter den Tisch zu trinken, sondern dem einen oder anderen auch einen Teil des sauer verdienten Goldes abzuluchsen. Das Ziel des Spiels ist, möglichst lange nüchtern, immer bei Bewusstsein und vor allem auch als letzter auf den Beinen und zahlungskräftig zu bleiben, was die anderen natürlich entsprechend zu unterminieren versuchen.

Aufmachung:
In einer ansprechend gestalteten Pappschachten finden sich ein Stapel mit 28 Getränkekarten, jeweils vier Stapel mit 37 Charakterkarten und den dazugehörigen Charaktertafeln, auf denen man mit roten und weißen Markern aus durchsichtigem Plastik (jeweils vier sind vorhanden) seine Trinkfestigkeit und den Alkoholgehalt markieren kann, sowie 50 kleine Pappscheiben in Form von Münzen, die so genannten ‚Goldstücke’. Dazu kommt die vierseitige A4 große Spielregel. Da die kleine Schachtel mit all dem reichlich gefüllt ist, muss man später bei der Aufbewahrung darauf achten, dass sie auch geschlossen bleibt, da der Deckel sehr leicht dazu neigt abzufallen. Je nachdem ist vielleicht sogar die Verwendung eines Gummibandes ratsam.

Spielregeln:
Die Autoren bemühen sich, die Spielregeln klar, kurz und übersichtlich zu halten. Was in der sachlichen Erklärung nicht ganz so verständlich ist, wird spätestens durch ein anschauliches Beispiel klar. Um den Spielverlauf nicht zu sehr zu komplizieren, sind die Regeln äußerst gering gehalten, so dass man sie nach ein oder zwei Probespielen beherrscht und dann nur noch selten nachschauen muss.

Spielverlauf:
In „Taverne Zum Roten Drachen“ geht es in erster Linie darum, miteinander Spaß zu haben und nicht, um die anderen zu besiegen und auszuschalten, auch wenn es am Ende einen geben muss, der alle anderen unter den Tisch getrunken hat. Am Anfang des Spiels erhält jeder Spieler seinen Charakterkartenstapel, die Charaktertafel, jeweils einen roten und einen weißen Marker, sowie zwei Getränkekarten, die er aber noch nicht aufdecken darf. Von den Charakterkarten nimmt er die ersten sieben auf die Hand. Der Spieler beginnt, der zuletzt in einer Kneipe war. Jeder Spielzug ist in vier Phasen aufgeteilt. In der ersten darf der aktive Spieler so viele Karten ablegen, wie er will, muss aber immer sieben Charakterkarten auf der Hand haben. Eine davon spielt er in der nächsten, der Aktionsphase, aus – sollte er eine der ‚Zocken-Ich bin dabei!’ Karten ausspielen, wird eine Zockenrunde eingeleitet und sein Durchgang unterbrochen.

In der nächsten Phase darf er eine Getränkekarte auf den Stapel eines beliebigen Spielers legen und muss in der vierten und letzten selbst ein Getränk zu sich nehmen. In all diesen Phasen sorgen ‚Jederzeit’- und ‚Manchmal’–Karten dafür, dass einem das Glück hold ist und man die Auswirkungen eines Getränks auf jemand anderen abschieben kann – oder selbst das Pech hat, ‚Nachspülen’ zu müssen, bzw. der andere die Trinkattacke durch eine Gegenaktion abwehren kann. Einzig die Zockenrunden sind etwas komplizierter, und wie bei richtigen Kartenspielen entscheidet hier auch oft das Glück der Karten, die man auf der Hand hat. Selbst Schummeln ist möglich. Aus der Runde scheidet der aus, der kein Gold mehr hat oder dessen Alkoholgehalt die Trinkfestigkeit übersteigt. Dann sinkt er bewusstlos unter den Tisch.

Spielspaß:
Wenn man nicht gerade einen bierernsten Mitspieler in der Runde hat, der verbissen darum kämpft zu gewinnen, dann ist Spaß an diesem Spiel garantiert. Dementsprechend sind auch die Charaktere konzipiert. Deidre, die Priesterin, mag sich zwar würdevoll benehmen, hat es aber trotzdem faustdick hinter den Ohren, was man auch an den ihr zugeordneten Charakterkarten merkt. Fiona ist eine launische Kriegerin, die zwar viele körperliche Vorteile hat, aber nicht unbedingt den Überblick über ihr Gold bewahrt. Gerki ist der typische schlitzohrige Halbling, der nichts anderes tut als Schummeln, vor allem in den Zockrunden. Und Zot, der Zauberer, könnte als Gelehrter Karriere machen, wenn er sich nicht als Begleiter ein psychotisches und saufendes Kaninchen angelacht hätte, das ihm nicht nur beim Zaubern immer dazwischen funkt.

Es gibt durch die witzig formulierten Karten immer etwas zu lachen, und die unterschiedlichen Fähigkeiten der Charaktere sorgen für Abwechslung. Allerdings sollte man sich beim Spiel zu zweit ruhig mehr Trinkkarten nehmen, um den Effekt der ‚Nachspülkarten’ entsprechend auskosten zu können. Da die abgelegten Karten immer wieder zu neuen Stapeln gemischt werden können, ist nicht schon nach ein paar Minuten Schluss; eine Runde kann sich durchaus zwischen 20 und 60 Min. dahin ziehen.

Fazit:
Vor allem Rollenspieler dürften bei „Taverne zum Roten Drachen“ ihren Spaß haben, da das Spiel genau das Flair einfängt, das auch bei der einen oder anderen Pen & Paper- Rollenspielrunde vorgeherrscht hat. Vor allem in der vollen Besetzung macht es Spaß, da so alle Figuren mit ihren Eigenschaften zum Einsatz kommen. Da man zudem nie weiß, was einen mit der nächsten Karte oder im Durchgang erwartet, wird es nie langweilig. Das Spiel ist damit sehr kurzweilig und unterhaltsam, vor allem die lustigen Kartentexte und die augenzwinkernden Charakterbeschreibungen eigenen sich gut dazu, um die Mitspieler in Stimmung zu bringen. (CS)

Titel bei Amazon.de:
Pegasus Spiele 17730G – Zum Roten Drachen

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