Zum Roten Drachen

zum_roten_drachenG. Bottone, C. Skadl, C. Bohm
Zum Roten Drachen

Pegasus Spiele 11/2008
Material: 180 Spielkarten, 8 Marker, 50 Goldmünzen, 1 Anleitung
Spieler: 2-4 Personen
Dauer: 30 – 60 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
EAN: 4250231773006
Autoren: G. Bottone, C. Skadl, C. Bohm
Illustration: K. James, B. Trott, Cold FuZion Studios

(sfbentry)

Am Ende eines langen Tages voller Abenteuer, Monster, Fallen und Schätze, besuchen vier tapfere Helden die Taverne „Zum Roten Drachen“, um hier bei einem Getränk und einem kleinen Spiel zu entspannen. Doch Vorsicht, wer am Ende kein Gold mehr hat oder betrunken unter dem Tisch liegt, der muss im Stall schlafen …

„Zum Roten Drachen“ ist ein witziges Kartenspiel aus dem Hause Pegasus Spiele. Es spricht durch seine Thematik vor allem Rollenspieler an, eignet sich aber auch hervorragend für Menschen, die keinen Bezug dazu haben. Denen entgeht einfach nur der ein oder andere Schmunzler durchs Beiwerk – was aber keine Auswirkung auf das eigentliche Spiel hat.

Zwei bis vier Spieler können sich hier an den Tisch setzen und loslegen. Jeder Spieler wählt zuvor eine Spielfigur aus, die durch einen Kartenstapel dargestellt werden. Da wäre die tugendhafte Deidre, eine Priesterin, die auf den Schutz ihrer Göttin baut. Fiona ist dagegen eine ziemlich launisch Kriegerin, die gerne mal aufbraust oder zuhaut. Der kleine Halbling Gerki ist ein wahres Schlitzohr und schlägt sich als schummelnder Dieb durch die Welt. Den Reigen vervollständigt Zot der Zauberer und sein wahnsinniges Kaninchen Pooky. Die beiden lenken mit ihren Tricks gerne mal die Leute ab.

Die Spielkarten jeder Spielfigur sind weitgehend auf die Figur zugeschnitten, es gibt aber auch einige Karten, die in jedem Stapel vorhanden sind. Jeder Spieler legt nun eine passende Statuskarte aus, auf der mittels einem roten Glasstein die Trunkenheit und mit einem durchsichtigen Glasstein die Trinkfestigkeit markiert wird. Außerdem gibt es für jeden Spieler noch zehn Pappgoldstücke in die Hand, das restliche Gold wandert in die Kasse der Taverne. Zum Saufen wird der Getränkestapel benutzt, von dem jeder Spieler zwei Karten zieht und verdeckt vor sich auslegt – das ist der eigene „Trink mich!“-Stapel. Schnell noch sieben Handkarten gezogen und losgelegt.

Eine Runde gliedert sich dabei in unterschiedliche Phasen. Erst einmal kann man Aktionskarten von der Hand werfen und muss wieder auf sieben Karten aufstocken. Dann kann man eine seiner Karten ausspielen. Aber Vorsicht, die anderen Spieler haben vielleicht Karten, mit denen sie reagieren können. Und einige Arten von Aktionskarten erlauben es dem Spieler sogar, im Zug eines Mitspielers zu agieren. Sehr raffiniert – und man sollte versuchen abzuschätzen, was die anderen Leute am Tisch so vorhaben könnten. Kniffelig ist die Sache dadurch, dass die jeweiligen Aktionskarten auf die gewählte Figur abgestimmt sind. Das hilft aber auch beim Entwickeln von Strategien. Hat man Gerki erst einmal abgefüllt, ist es ein Leichtes Fiona das Gold aus der Tasche zu ziehen – mit ein wenig Glück.

Wurden die Aktionen ausgeführt, zieht man eine weitere Karte vom Getränkestapel und legt diese auf den „Trink mich!“-Stapel eines Mitspieler. Man gibt ihm also Einen aus. Das ist wichtig, denn wer kein Getränk mehr hat, der kann langsam wieder nüchtern werden. Bei einem Spiel mit zwei Leuten, ist der taktische Anteil dabei zu vernachlässigen, bei drei oder vier Spielern muss man schon überlegen, wem man Eins ausgibt. Ist der Stapel mit den Getränkekarten leer, zahlt jeder ein Stück Gold an die Taverne und die abgelegten Karten werden neu gemischt. Sind alle Aktionskarten gezogen, werden die abgelegten Karten ebenfalls gemischt und stehen wieder zur Verfügung. Sobald man nun jemandem ein Getränk ausgegeben hat, deckt man die oberste Karte des eigenen „Trink mich!“-Stapels auf.

Da jede Karte mit Erklärungstexten daherkommt, muss man einfach nur die Anweisungen befolgen. Dadurch bleibt die Anleitung des Spiels überschaubar kurz und niemand muss viele Regeln lernen. So ist das Spiel auch neuen Mitspielern schnell erklärt. Man sollte allerdings für geeignetes Licht sorgen, um die Kartentexte überhaupt sehen zu können. Kerzenlicht taugt da eher weniger.

Die Getränkekarte beinhaltet nun ein Getränk mit einer bestimmten Wirkung. Meistens wird man ein wenig betrunkener, verliert vielleicht seine Trinkfestigkeit, man muss das nächste Getränk ebenfalls runterstürzen oder es beginnt gar ein kleines Trinkspiel. Trinkspiele basieren oft nur darauf, dass derjenige gewinnt der im Trinkspiel den meisten Alkohol bechert. Das ist schon eine ganz witzige Sache und kann schnell mal den Getränkestapel wegräumen.

Ziel ist es nun die anderen Helden unter den Tisch zu trinken oder ihnen das Gold aus der Tasche zu ziehen. Treffen sich die beiden Glassteine einer Figur scheidet der Spieler aus, ist sein Gold leer, ist er ebenfalls aus dem Spiel. Ganz einfach.

Eine weitere Besonderheit – neben dem Trinkspiel – ist das Zocken. Dabei handelt es sich, wie das Trinkspiel, um ein weiteres Minispiel im Hauptspiel. Sobald eine Zocken-Runde gestartet wurde, kann man mitgehen, aussteigen, erhöhen oder gar schummeln. Sieger ist der Spieler, der am Ende die Kontrolle über die Zocken-Runde besitzt. Das Zocken wird mittels bestimmter Aktionskarten abgehandelt. Neben allgemeingültigen Karten, haben auch hier die unterschiedlichen Figuren spezielle Karten, mit denen sie sich den Gewinn unter den Nagel reißen können. Wer seinen Kameraden das Gold neidet, geht vielleicht auch dazu über und lässt den ganzen Pott in die Tavernenkasse fließen. Man kann in „Zum Roten Drachen“ auch einfach mal herrlich fies sein.

Einige der Kartentexte verweisen übrigens auf die Erweiterung. Die Übersetzung von „The Red Dragon Inn 2“ ist wohl auch geplant. Allerdings dürfte mit „Zum Roten Drachen 2“ kaum vor 2010 zu rechnen sein. Wem bis dahin vier Spieler zu wenig sind, der kann ja einfach mal probieren zwei Spiele zu kombinieren.

Die Anleitung des Spiels ist ziemlich kurz gehalten und trotzdem leicht verständlich. Das Spiel kommt mit wenig Regeln aus, da die Karten selbst alle wichtigen Informationen und Anweisungen beinhalten. Mit einer Spieldauer von maximal einer Stunde ist „Zum Roten Drachen“ ein kurzweiliger Zeitvertreib. Es macht einfach Spaß, seine Mitspieler übers Ohr zu hauen. Bedenklich ist allerdings die Altersempfehlung „ab 12 Jahren“, da im Mittelpunkt Alkohol und der vergnügliche Umgang damit steht. In Zeiten von Flatrate-Saufen und jugendlichen Alkoholikern sollten schlussendlich die Eltern entscheiden, ob ihre Sprösslinge mit dem Thema verantwortungsvoll umgehen können. Für die Spielregeln selbst ist die Altersempfehlung passend.

„Zum Roten Drachen“ ist ein lustiges Spiel, sehr kurzweilig, einfach und schnell erklärt. Eine klare Spielempfehlung!

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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