Fischer

Fata Morgana

Auf einem zur Besserungsanstalt umgebauten Landgut trachtet offenbar jemand der reichen Hausherrin nach dem Leben. Die besorgte Schwester schleust eine alte Freundin – die kriminalistisch erfahrene Miss Marple – in die Villa ein. Dennoch kommt es zum Mord; zwar nicht an besagter Hausherrin, aber Miss Marple spürt, dass Ermittlungseile notwendig ist … – Der fünfte Roman mit Miss Marple (= Christies 43. Kriminalroman) bietet Mystery und Rätsel in (allzu) routinierter Vollendung, liefert aber genretypische Kost und die übliche = finale Überraschung.

Der Wachsblumenstrauß

Der reiche Mr. Abernethie starb nicht nur sehr plötzlich, sondern auch gerade rechtzeitig, denn seine sechs Erben befanden sich in großen Geldnöten; eine Kombination, die erst dem Familienanwalt und dann Hercule Poirot verdächtig scheint … – In seinem 29. Fall ermittelt Hercule Poirot abermals im Kreise kaum trauernder, sondern verdächtiger Familienangehöriger, was die Autorin ungemein spannend und unter Legung ebenso eindeutiger wie falscher Fährten über die kriminelle Bühne bringt: In ihrem 44. Kriminalroman zeigt sich Agatha Christie als ebenso routinierte wie einfallsreiche Meisterin des Genres.

Die Überfahrt

Auf einem skandinavischen Fährschiff geht es hoch her: Der Alkohol ist zollfrei und billig, es wird heftig getrunken, die Hemmungen schwinden. Die üblichen Exzesse werden durch zwei mitreisende Vampire erheblich verstärkt, denn die Suff-Fähre verwandelt sich in ein Totenschiff … – Die ungewöhnliche Kulisse sorgt für Interesse, doch ungelenk und viel zu ausführlich setzt Autor Strandberg sein Garn an, das erst nach Ausbruch der Vampir-Katastrophe in Schwung kommt und diese vor allem blutig auf die Spitze treibt: Grusel-Mission recht bedingt erfüllt.

Der Tote gibt Indizien

Sir Owen Kent wird anonym bedroht. Hobby-Detektiv Horatio Green will helfen und checkt in das Sanatorium des Auftraggebers ein. Dort kann er Sir Owens Ermordung nicht verhindern, was seinen Ermittlungs-Ehrgeiz anstachelt … – Der fünfte (und letzte) Green-Krimi bietet noch einmal auf, was der Verfasser zum klassischen Whodunit beizutragen hat. Die Handlung schreitet gemächlich voran, die Ermittlungen werden der Leserschaft fair präsentiert, und stets bleibt Raum für schräge Typen, sanfte Ironie und bizarre Indizien, die in einem großen Finale ins nie tragische aber spannende Mord-Mysterium eingepasst werden.

Electric Dreams – Die 10 Stories der Erfolgsserie

Dieser Sammelband beinhaltet jene zehn kürzeren Texte des SF-Meisters Philip K. Dick, die zu Vorlagen der US-amerikanischen Fernsehserie „Philip K. Dick‘s Electric Dreams“ (Staffel 1) wurden. Ursprünglich zwischen 1953 und 1955 erschienen, weisen sie Dick als einfallsreichen Schriftsteller aus, der schon in seinen jüngeren Jahren mit der Frage rang, was „Realität“ eigentlich ist und welche Auswirkungen sie in ihren wahren, eisbergähnlichen Dimension auf den Menschen hat: mehrheitlich ungewöhnliche, manchmal verstörende, immer spannende Lektüre.

Alif der Unsichtbare

Hacker Alif gerät mit der restriktiven Staatsmacht aneinander, muss fliehen und kommt in Kontakt mit einem Untergrund, der an die Welt von 1001 Nacht erinnert, jedoch jederzeit in der gewaltreichen Gegenwart präsent ist … – Die farbenprächtige Atmosphäre und glaubhafte Protagonisten fesseln ebenso wie die Verquickung orientalischer Mythen mit der modernen westlichen Welt, zumal der Story eine wichtige politisch-ethische Dimension (Stichwort „Arabischer Frühling“) innewohnt, die der Verfasser facettenreich reflektiert.

Das unvollendete Bildnis

Vor 16 Jahren starb ihre Mutter als verurteilte Gattenmörderin. War Caroline Crale womöglich unschuldig? Auf Bitte der Tochter rollt Detektiv Poirot den Fall neu auf. Obwohl sich die Zeugen von einst drastisch widersprechen, kann er das Geschehen rekonstruieren, was zu einem dramatischen Ergebnis führt … – Aus fünf scheinbar eindeutigen Zeugenaussagen destilliert Privatermittler Hercule Poirot in seinem 23. Fall nachträglich völlig logisch eine Wahrheit, die mit einem gelungenen Täuschungs-Twist präsentiert wird: Agatha Christie legt einen weiteren Höhepunkt ihrer Serie vor.

Das Haus in Cold Hill

Familie Harcourt zieht in ein Spukhaus ein, dessen Bewohner es nach dem Willen des dort regierenden Ober-Geistes selbst tot nicht verlassen dürfen; aus Irritation wird Angst, aus nächtlichen Vorfällen nackter Terror, während besagte Familie die Todesfalle zu verlassen versucht … – Quasi ein Kompendium sämtlicher Klischees, die das Genre „Ghost Story“ zu bieten hat; das dürftige, in die Länge gezogene Garn leidet zusätzlich unter Flach-Figuren und objektiv dämlichen Geistern: Stärker als Familie Harcourt leidet wieder einmal die Leserschaft.

Der rosenrote Schirm

In New York gerät das Detektiv-Ehepaar Patrick und Jean Abbott in die Intrigen der Bland-Familie, deren Angehörige sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen und dabei in ihrem Umfeld für tödliche Kollateralschäden sorgen … – Verwickelter Rätsel-Krimi um die vielen Geheimnisse einer dysfunktionalen Familie, die auf ‚moderne‘ Art sowie unter Andeutung nächtlicher Zwischenmenschlichkeiten, gelöst werden: viel Routine aber mit interessantem Zeit- und Lokalkolorit.

Ein Mord wird angekündigt

Ein Mord wird angekündigt und tatsächlich begangen. Der Täter muss sich unter den Zeugen befinden, doch die sind so unverdächtig, dass ihnen eine listige Privat-Ermittlerin auf die Schliche kommen muss … – Der vierte Miss-Marple-Roman bietet einen ebenso bizarren wie spannenden Mordfall, der auf klassisch englische Krimi-Art gemächlich, gründlich und unterhaltsam aufgeklärt wird. In die typische Betulichkeit mischen sich ironische Spitzen, die allzu offensive Realitätsferne unaufdringlich abfedern.