Fischer

Im Bett mit dem König

Eine Geschichte königlicher Geliebter an europäischen Königshöfen; nicht chronologisch geordnet oder die Biografien ausgewählter Damen präsentierend, sondern den zentralen Aspekten des Mätressentums gewidmet: Welcher Herkunft waren diese Frauen, wie erregten sie des Herrschers Aufmerksamkeit, auf welche Weise hielten sie es lebendig, wie sah der Alltag einer Mätresse aus, mit welchen Rivalen und Feinden musste sie rechnen, was geschah mit ihren Kindern, was mit ihr selbst, wenn des Königs Interesse erlosch? Solche und viele andere Fragen werden faktenreich beantwortet. Viele oft bizarre Anekdoten sorgen für ungläubiges Kopfschütteln und Heiterkeit. Der in lockerem Ton gehaltene Text rundet ein historisch nicht sehr tiefgründiges, aber informatives und durchweg lesbares Sachbuch ab.

Die verlorene Stadt

Im vierten Teil der „Mortal-Engines“-Serie führt Autor Reeve sämtliche Handlungsstränge zusammen, und die Schicksale der Hauptfiguren werden aufgeklärt. Das erfordert deutlich mehr Buchseiten als bisher, doch das Finale gelingt = wird spannend und einfallsreich vorbereitet und inszeniert, weshalb man als Leser mit einem lachenden und einem weinenden Auge bzw. dem Wunsch nach einer Veröffentlichung auch der Prequel-Trilogie zurückbleibt!

Mortal Engines – Der grüne Sturm

16 Jahre nach den Ereignissen der beiden Vorgängerbände verschlägt es die Tochter der beiden Hauptfiguren ins ferne England, wo sie in den Kampf zwischen einer ‚alternativen‘ Lebensgesellschaft von Jugendlichen und einer (allzu) etablierten Stadtgemeinschaft gerät, die von einem alten Feind der Eltern angeführt wird … – Erneut ideen- und actionreich geht die „Mortal-Engines“-Serie in die dritte Runde. Durch den Zeitsprung wird frischer Wind in die Handlung geblasen, die deshalb unterhaltungsstark ihr Finale erreicht: gelungener Abschluss einer original längst ausgeweiteten Serie.

Der Atlas der besonderen Kinder

Begleitet von einigen der „Besonderen Kinder“ begibt sich Jacob Portman auf eine Odyssee durch die USA, um nach magischen Relikten seines Großvaters zu fahnden, was selten ohne gefährliche Zwischenfälle gelingt … – Nachdem die Geschichte eigentlich erzählt ist, ‚zwingt‘ der Erfolg den Verfasser zur Fortsetzung seines Werkes. Weiterhin gut geschrieben und im Detail einfallsreich, lässt sich der ‚Relaunch‘ zäh an und endet allzu offen; hinzu kommt die Aufweichung jener Attribute, die den Kindern echte, d. h. im Rahmen der Handlung plausible Besonderheit verlieh: Die Faszination der Serie franst recht deutlich aus.

Der Atem einer anderen Welt

Neben der irdischen Realität existieren ‚Traumwelten‘, die den Naturgesetzen enthoben sind. Viele Kinder reisen dorthin, manche kehren unfreiwillig in die Wirklichkeit zurück und werden in einem besonderen Internat betreut. Als dort ein Mord geschieht, machen sich einige Insassen als Ermittler in das Traumland des Opfers auf … – „Der Atem …“ sammelt drei Kurzromane, von denen nur der erste überzeugen kann. Teil 2 ist vor allem Wiederholung des Bekannten, Teil 3 verzettelt sich in einer zunehmend die logische Bodenhaftung verlierenden, nur behaupteten Exotik.

Miss Pinkerton oder Ein Fall für die feine Gesellschaft

Nachdem ein Mitglied der prominenten Familie Mitchell auf verdächtige Weise das Zeitliche segnete, schleust die Polizei eine Krankenschwester in das Mord-Haus ein, wo sie dringend erforderliche Indizien sammeln soll und dabei in Lebensgefahr gerät … – „Whodunit“-Krimi aus den USA, der nicht nur durch die klassische Rätsel-Handlung, sondern auch wegen der unsentimentalen und selbstbewussten Detektivin gefällt: angenehm angestaubte Lektüre.

Mortal Engines – Jagd durchs Eis

An Bord des Luftschiffs „Jenny Haniver“ werden Hester und Tom von bekannten und unbekannten Gegnern gejagt. Sie werden auf den nordamerikanischen Kontinent verschlagen, wo sie in neue Konflikte verwickelt werden … – Sehr actionlastig sorgt Autor Reeve im zweiten Band der „Mortal-Engines“-Serie für durchaus gelungene Unterhaltung, die mit dem inhaltlich besser strukturierten Erstling nicht ganz mithalten kann.

Das Heim

Eine neue Patientin bringt das Grauen mit in das Seniorenheim „Nebelfenn“. Dort breitet es sich aus, während der Sohn der Verursacherin und eine Pflegerin versuchen, Herkunft und Motiv der mysteriösen Macht zu erkennen, um sie austreiben zu können … – Viel zu gut gelingt dem Verfasser die Schilderung echter Missstände, wie sie in der modernen ‚Altenpflege‘ beinahe alltäglich sind. Der ‚echte‘ Horror hat vor diesem deprimierenden Hintergrund keine echte Chance zu erschrecken, sodass Autor Strandberg sich quasi selbst ein Bein stellt: immerhin gut bzw. eindringlich geschrieben.

Mortal Engines – Krieg der Städte

In ferner Zukunft rollen gewaltige Städte durch öde Landschaften und bekämpfen einander. In London geraten Tom und Hester in ein Komplott, dessen Urheber die globale Alleinherrschaft ‚ihrer‘ Metropole planen und den Untergang der anderen Städte in Kauf nehmen … – Erster Band einer 2018 verfilmten Serie, die das eher abenteuerliche als trostlose Bild einer fernen, lebensfeindlichen Erde zeichnet: turbulent, einfalls- und anspielungsreich.

Fata Morgana

Auf einem zur Besserungsanstalt umgebauten Landgut trachtet offenbar jemand der reichen Hausherrin nach dem Leben. Die besorgte Schwester schleust eine alte Freundin – die kriminalistisch erfahrene Miss Marple – in die Villa ein. Dennoch kommt es zum Mord; zwar nicht an besagter Hausherrin, aber Miss Marple spürt, dass Ermittlungseile notwendig ist … – Der fünfte Roman mit Miss Marple (= Christies 43. Kriminalroman) bietet Mystery und Rätsel in (allzu) routinierter Vollendung, liefert aber genretypische Kost und die übliche = finale Überraschung.