Goldmann

Im Land der grünen Ameisen

Im August 1860 bricht in Melbourne eine große Expedition auf, die den Kontinent Australien durchqueren und die Nordküste erreichen soll. Die Reise durch 5000 Kilometer unwirtliches, kaum besiedeltes, feindseliges Land endet in einer Katastrophe, die acht Menschen das Leben kostet und sich in einen nationalen Skandal verwandelt … – Kritische Neubewertung einer historischen ‚Großtat‘, die das zeitgenössische Denken berücksichtigt, die Wahrheit hinter verklärenden Worten sucht und zu einem eher bestürzenden Resultat kommt: gut recherchiertes, spannend geschriebenes und mit trockenem Witz belebtes Sachbuch.

Selkirks Insel

Die Geschichte von Alexander Selkirk, der 1704 auf einer einsamen Pazifikinsel ausgesetzt wird und sich mehr als vier Jahre völlig allein durchschlagen muss, bis er gerettet wird, wurde zur Vorlage der Geschichte von Robinson Crusoe. Diana Souhami löst die Fiktion von der historischen Wahrheit, der sie indes selbst wieder literarische Qualitäten verleiht, indem sie Selkirks Geschichte als Gelegenheit nutzt, einen Blick auf die Welt des frühen 18. Jahrhunderts zu werfen. Dies geschieht in kurzen, schlaglichtartigen Kapiteln und stilistisch auf beachtlichem Niveau. Das Ergebnis ist ein ‚Geschichtsbuch‘ mit Romanqualität.

Schneetiger

Eine Geschichte des Bergsteigens im Himalaya aus der Sicht der nepalesischen Sherpas, die den großen, weißen Forschern jahrzehntelang Arsch & Gepäck auf die höchsten Gipfel dieser Welt hinterher trugen, bis sie sich emanzipierten und für den eigenen Ruhm zu kraxeln begannen … – Sehr gut und vor Ort recherchiertes, durch viele Interviews mit bisher kaum oder gar nicht befragten Zeitzeugen angereichertes Sachbuch, das eine Lücke in der Himalaya-Historie schließt und Licht auf viele bisher unbekannte Kapitel wirft, was nebenbei manchen gefeierten Berghelden plötzlich recht unvorteilhaft beleuchtet.

Brandherd

Ein Brandstifter entfacht wahre Höllenfeuer. In der Asche finden sich Leichen, die nur die geniale Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta identifizieren kann. Sie erkennt, dass hier eine Serienmörderin, mit der sie vor Jahren schon einmal zu tun hatte, wieder aktiv geworden ist, erkennt deren perfiden Racheplan aber beinahe zu spät … – Der 9. Band der erfolgreichen Scarpetta-Serie bietet erneut spannende Thriller-Unterhaltung mit bizarren Morden und Forensik-Exotik, leidet aber unter allzu dick aufgetragenen, predigtähnlich die Handlung ins Stocken bringenden Seifenoper-Elementen.

Ein kalter Ort zum Sterben

Das schottische Edinburgh droht zum Schauplatz eines Unterweltkriegs zu werden. Der pensionierte Polizist Rebus mischt sich wie üblich fintenreich ein, während er außerdem in einem nie geklärten Uralt-Mord in Prominenten-Kreisen ermittelt und dabei ebenfalls für Unruhe sorgt … – John Rebus ist in seinem 21. Fall aktiver denn je, auch wenn ihn Gesundheitsprobleme plagen. Das Talent des Verfassers vertuscht, dass ein solcher Grad von Pensionärs-Präsenz kaum realistisch ist; hinzu kommt eine spannende, mehrschichtige Krimi-Story und nicht aufdringliche Figuren: Die Reihe bleibt lesenswert!

Der sechste Mond

Schwierigkeiten in einer Schürf-Kolonie auf dem Saturnmond Titan rufen Erd-Colonel Benedict auf den Plan. Begleitet von Sohn Tuck bemüht er sich, zwei verfeindete Kolonisten-Gruppen zu befrieden. Während der Colonel erfolglos bleibt, freundet sich Tuck mit einem Einheimischen an. Gemeinsam decken sie das gefährliche Geheimnis der Kolonie auf … – Science-Fiction-Abenteuerroman, der (damals) aktuelles astronomisches Wissen mit einer ‚lehrreichen‘ Handlung verknüpfte, wobei Autor Nourse nicht so plump vorging wie andere SF-Kollegen: kein Klassiker, höchstens nostalgisch angestaubte Unterhaltung.

Strahlen aus dem Wasser

Nicht Abenteuer im Weltall oder auf fernen Planeten oder der Kampf gegen glotzäugige Invasoren, sondern die Versorgung einer zukünftigen Menschheit mit Wasser, Nahrung und Post stehen im Mittelpunkt dieser ungewöhnlichen SF-Kurzgeschichten. Zur einfallsreichen, heute reizvoll veralteten Darstellung entsprechender ‚Supertechnik‘ kommen ‚gefährliche‘ Zwischenfälle, die für Spannung sorgen: kuriose Blicke in eine Zukunft, die gegenwärtige Alltagsprobleme durchaus andeutet.

Die phantastische Reise

Um einen ins Koma gefallenen Wissenschaftler zu retten, wird ein Ärzteteam auf Mikrobengröße verkleinert und macht sich im Mini-U-Boot durch die Adern auf den gefährlichen Weg ins Gehirn … – Das Buch zum Kinoklassiker erzählt die spannende Handlung nicht einfach nach, sondern ergänzt sie durch Hintergrundinformationen, liefert ausführliche Charakterisierungen der Figuren und unternimmt sogar den (rührend gescheiterten) Versuch, die krude Story wenigstens ansatzweise plausibel wirken zu lassen: keine simple Beigabe zum Film, sondern ein eigenständiger, sehr lesbarer Science-Fiction-Roman.

Der rote Stier

Eigentlich möchte Nero Wolfe nur seine preiswürdigen Orchideen ausstellen, doch er wird in die Fehde zweier mächtiger Familien gezogen und muss einen Mord klären, den offensichtlich ein wütender Stier begangen hat … – Auch Fall Nr. 6 muss Nero Wolfe jenseits seines bequemen Heims in New York lösen. Das Ergebnis ist ein für die Serie ungewöhnlich turbulentes Garn, das von lebhaft umgesetztem Lokalkolorit, einem bizarren Plot und kraftvollen Figuren geprägt wird: Die erstmals ungekürzte und neu übersetzte Neuausgabe bereitet daher erst recht Vergnügen!

Cain – Golem des Satans

Ein gezüchteter Super-Soldat macht sich selbstständig und wird von seiner ‚Mutter‘ und einem Priester verfolgt, die seinem nicht nur mörderischen, sondern womöglich höllischen Treiben Einhalt gebieten wollen … – „Christian Science Fiction“ der üblichen Art, d. h. genretypisch bierernst, unfreiwillig komisch, mit holzschnitthaften Figuren und peinlichem Halleluja-Pathos: Lektüre als Form der Selbstkasteiung.