Insel

Die Morde von Pye Hall

Ein anscheinend durch Selbstmord umgekommener Schriftsteller hinterlässt ein unvollständiges Romanmanuskript, in dem seine Lektorin versteckte Hinweise auf alte, nie aufgedeckte Verbrechen zu entdecken glaubt. Sie folgt dieser Spur und gerät in Lebensgefahr, da sie erfolgreicher ist, als es dem Täter lieb sein kann … – Das vollständig wiedergegebene Manuskript ergibt einen Roman im Roman und ist gleichzeitig Schlüssel für die Ereignisse der Gegenwart. Die Mischung aus kundig wiederbelebten Rätselkrimi alter angelsächsischer Schule und modernem = psychologisch und sozialkritisch aufgepolstertem Thriller funktioniert nur bedingt, doch die daraus resultierende Doppelstory ist – Blicke hinter die Kulissen des Verlagswesens inklusive – spannend und gut geschrieben.

Alicia verschwindet

Alicia verschwindet und Robert sucht nach ihr. Als er nicht mehr weiter weiß zieht er seinen Bekannten, Dr. Heathcliff, ins Vertrauen. Die beiden kennen sich vom Golfplatz, aber eigentlich nicht so gut, dass sie bislang ausführliche Gespräche miteinander geführt haben. Robert Arlington-Stockwell, Sohn aus gutem Hause, hat aber einen guten Grund sich gerade jetzt ausführlich mit Dr. Heathcliff zu unterhalten. Die Unterhaltung der Männer präsentiert uns der Autor aus der Erzählperspektive des Herrn Heathcliff, was die Erzählung schon einmal ganz besonders macht.

Eine Studie in Scharlachrot

Im London der frühen 1880er Jahre lernt der Arzt Dr. Watson den „beratenden Detektiv“ Sherlock Holmes kennen. Die beiden Männer werden Freunde, und so ist Watson an Holmes’ Seite, als dieser den Mord an einem reichen Amerikaner aufklärt und eine düstere Geschichte von Fanatismus, Betrug und Mord ans Tageslicht bringt – Erster, schon gelungener Auftritt des legendären Mr. Holmes, wobei die eigentlich spannende Story nicht mit der Figurenzeichnung mithalten kann.

Der Hund der Baskervilles

Für ein vor Jahrhunderten begangenes Unrecht wird das Geschlecht der Baskervilles von einem mörderischen Geisterhund gejagt. Nun soll der berühmte Detektiv Sherlock Holmes den Spuk bannen. Mit seinem treuen Gefährten Dr. Watson macht er sich auf in das Moor von Devonshire, wo des Nachts freilich nicht nur der Hund umgeht … – Berühmtester und mit Abstand bester der vier Holmes-Romane, gelungen in der Handlung, spannend, atmosphärisch unerhört dicht: jede Zeile mit Recht ein Klassiker des Kriminalromans.

Der Fall Charles Dexter Ward

Ein unvorsichtiger Privatforscher erweckt einen bösen Hexenmeister zum Leben. Der Schurke nimmt seine Stelle ein, um seinem blasphemischen Handwerk erneut nachzugehen, bis sich zwei beherzte Männer gegen das Grauen stellen … – Locker dem „Cthulhu“-Zyklus angehörend, erzählt Autor Lovecraft die bekannte aber spannende Geschichte vom Zauberlehrling, der nicht mehr los wird, was er gerufen hat. Die hier neu übersetzte, fachkundig kommentierte sowie illustrierte Geschichte enthüllt sich gekonnt pseudodokumentarisch aus alten Dokumenten, Berichten, Zeitungsartikeln etc., bis sie ihren Bogen im Finale in einem wahren Pandämonium vollendet.

Das leere Haus

Mit einer Novelle, zwei längeren Erzählungen und einer Kurzgeschichten zeigt sich Algernon Blackwood (1869-1951) als Großmeister einer Phantastik, die über simplen Horror weit hinausgreift und sich ein Weltbild zeichnet, in dem eine belebte, manchmal ‚nur‘ fremde, manchmal bösartige Natur eine von den Menschen fast vergessene aber weiterhin zentrale Stellung einnimmt: spannend, eindrucksvoll und im positiven Sinn gruselig!

Die leuchtende Pyramide und andere Geschichten des Schreckens

Kurzkritik für Ungeduldige: In den schattigen Winkeln der Realität überleben uralten Kreaturen, die denen auflauern, die sich neugierig aber unvorsichtig in ihre Refugien wagen. Die Folgen sind manchmal schrecklicher als der Tod, wie Arthur Machen in vier Erzählungen und einem Kurzroman meisterhaft und noch heute erschreckend zu erläutern weiß: komplexer und nicht immer einfach zu lesender aber fabelhafter Horror von einem der Großmeister der Phantastik.

Father Browns Einfalt

Die erste Sammlung der berühmten Father Brown-Geschichten bilden eine Mischung aus moralischer Erbaulichkeit und klassischer Kriminalliteratur, sehr merkwürdig im Duktus aber durchaus lesbar, weil mit skurrilen Plots und ungewöhnlichen Wendungen nicht geizend; Chestertons Plädoyer für das letztlich Gute im Menschen bleibt in der Regel erträglich, zumal in den späteren Geschichten der kriminalistische Faktor wohltuend zunimmt.

Das Geheimnis des weißen Bandes

Im Winter des Jahres 1890 legt sich Sherlock Holmes mit einer Verschwörer-Gruppe an, die sogar die britische Regierung infiltriert hat, weshalb sich der geniale Ermittler plötzlich als Mörder hinter Gitter wiederfindet … – Dieser Historienkrimi ahmt die Doyle-Vorgaben nicht einfach nach, sondern erweitert und modernisiert das klassische Holmes-Universum behutsam und schlüssig um einige Aspekte, die ihm sehr gut bekommen: eines der besseren Holmes-Pastiches.

Im Haus des Grafen Dracula

In neun Erzählungen und einem Kurzroman beweist Bram Stoker, dass er mehr ist als der Schöpfer des Vampir-Fürsten Dracula; die Storys sind in der Mehrzahl überaus spannend und profitieren zusätzlich von Stokers bemerkenswerten Talent für Landschaftsbeschreibungen und Stimmungen: für Grusel-Fans – aber nicht nur für diese – eine Muss-Sammlung.