Piper

Die Berechnung der Sterne

In einer alternativen Vergangenheit kam die Entwicklung der Weltraumfahrt katastrophenbedingt deutlich früher in Gang. Anders als in der Realität ist dies in dieser Geschichte zu einem Gutteil ein Verdienst von Frauen, die erfolgreich gegen zeitgenössische Vorurteile kämpfen: Dies ist ein Stoff, aus dem derzeit erfolgreiche Garne gestrickt werden – dieses Mal als herzerwärmendes „Social-Fiction“-Märchen im SF-Gewand.

Allein durch die Sterne

Zwar ist die Erde plötzlich menschenleer, doch dies ist hier keine ultimative Katastrophe, sondern Auslöser einer besonderen Liebesgeschichte, in deren Verlauf eine junge Frau und ein junger Mann den halben Globus umkreisen müssen, um einander zu finden: Besagte Liebe ist in diesem „Young-Age“-Garn eindeutig wichtiger als ‚plausible‘ SF.

Stone Man – Die Rückkehr

Nach den „Stone Men” erscheinen die „Empty Men”, um die Erde zu unterjochen. Zwei Menschen versuchen hinter das Geheimnis der Invasoren zu kommen, was eine erneut spannende Geschichte auslöst. Es fehlt die Intensität des Vorgängerbandes, und das Tempo lässt zu wünschen übrig, bis es im letzten Drittel wieder zur Sache geht: PHantastik-Futter, das neugierig auf das Ende bzw. den Höhepunkt dieser Trilogie macht.

The Last Day

Dieser moderne „Post-Doomsday“-Roman lässt Großbritannien die Apokalypse überstehen. Eine Diktatur etabliert sich, um die Verlierer aus dem Ausland fernzuhalten, während Menschenrechte verteidigende ‚Rebellen‘ gegen das System kämpfen und dabei auf ein elementares Geheimnis stoßen … – Vor allem abenteuerlich, aber flach und schwach in der Präsentation dieser veränderten Erde und ihrer Bewohner produziert der Debüt-Autor unterhaltsames Lesefutter, dessen Film- bzw. TV-Rechte bereits verkauft werden konnten.

Rejoice – Die letzte Entscheidung

Außerirdische Intelligenzen schicken eine Künstliche Intelligenz ins Sonnensystem, um die zerstrittene Menschheit vor der Selbstvernichtung zu bewahren. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig, weshalb die Mission zu scheitern droht … – Autor Erikson dreht an einem großen Rad, ohne es wirklich in Bewegung setzen zu können. Der Plot wirkt schematisch, die Umsetzung weist logische Brüche auf – ein naives SF-Spektakel.

Beethovens Locke

1827 wurde Ludvig van Beethoven auf dem Totenbett eine Locke vom Haupt geschnitten. 1995 tauchten diese Haare wieder auf und wurden zum Mittelpunkt einer spektakulären, von den Medien ausgeschlachteten Untersuchung, welche die wahre Ursache von Beethovens Ende klären sollte. Parallel dazu recherchierte man aufwändig den historischen Weg der berühmten Locke in die Gegenwart … – Autor Russell Martin folgt beiden Untersuchen, die rasch den Charakter kriminalistischer Nachforschungen annehmen. Trotz lückenhafter Quellen können die meisten Rätsel gelöst werden. Wie das gelang – oder manchmal nicht -, schildert Martin in dieser spannenden, manchmal etwas pathetischen Mischung aus Sachbuch und Thriller.

Drei Mann im Boot … Ganz zu schweigen vom Hund!

Drei junge Engländer beschließen Ende des 19. Jahrhunderts eine vierzehntägige Bootsfahrt die Themse hinauf. Sie alle haben den angelsächsischen Sinn fürs Abenteuer gepachtet, ihn aber bisher nie unter Beweis stellen müssen, was ihre Kahnpartie in eine endlose Kette peinlicher, urkomischer, mit knochentrockenem Humor geschilderter Zwischenfälle verwandelt … – Klassischer Bestseller des humoristischen Romans, der frisch wie am ersten Tag wirkt. Die Schilderung einer Bootsreise gewinnt zusätzlichen Charme als nostalgischer Rückblick in eine längst versunkene „gute, alte Zeit“.

Der Besucher

Ein schiffbrüchiger Raumfahrer muss auf der Außenhülle eines außerirdischen Raumschiffs ‚mitreisen‘. Durch eine der Luken wird er Zeuge eines Geschehens, dessen Verursacher ihm nunmehr nach dem Leben trachten … – Die Story basiert auf einer berühmten Kurzgeschichte, die u. a. von Alfred Hitchcock verfilmt wurde. Sie funktioniert sowohl als Hommage, als auch als spannende Geschichte und bleibt dabei angenehm kurz.

Marlowe

1935 soll der Kölner Kriminalpolizist Gereon Rath in einen tödlichen Verkehrsunfall ermitteln; scheinbar reine Routine, doch der allzu pflichtbewusste Beamte gewinnt unfreiwillig einen tiefen – und lebensgefährlichen – Blick in die lokale Unterwelt, die eng mit den nationalsozialistischen Machthabern verbandelt ist … – Band 7 der Gereon-Rath-Serie verknüpft abermals gekonnt historisches Lokalkolorit mit einem spannenden Kriminalfall.