Suhrkamp

Alicia verschwindet

Alicia verschwindet und Robert sucht nach ihr. Als er nicht mehr weiter weiß zieht er seinen Bekannten, Dr. Heathcliff, ins Vertrauen. Die beiden kennen sich vom Golfplatz, aber eigentlich nicht so gut, dass sie bislang ausführliche Gespräche miteinander geführt haben. Robert Arlington-Stockwell, Sohn aus gutem Hause, hat aber einen guten Grund sich gerade jetzt ausführlich mit Dr. Heathcliff zu unterhalten. Die Unterhaltung der Männer präsentiert uns der Autor aus der Erzählperspektive des Herrn Heathcliff, was die Erzählung schon einmal ganz besonders macht.

Der gute Mörder

In einem Städtchen an der Küste des Ärmelkanals wird ein Pensionär grausam ermordet. Sein Freund und Nachbar, ein Polizist, wird von seiner neuen Vorgesetzten in die Ermittlungen verwickelt, was gefährlich ist, da der Beamte ein düsteres Geheimnis hütet … – Auf zwei Zeitebenen spielt dieser moderne englische Krimi, der gut gezeichneten Figuren etwas zu dramatische Privatleben aufbürdet, während der Kriminalfall vergleichsweise simpel aufgelöst wird: kein „Anwärter für den Thriller des Jahres“, wie es auf dem Cover dröhnt, sondern solides Lesefutter.

Der Hund der Baskervilles

Für ein vor Jahrhunderten begangenes Unrecht wird das Geschlecht der Baskervilles von einem mörderischen Geisterhund gejagt. Nun soll der berühmte Detektiv Sherlock Holmes den Spuk bannen. Mit seinem treuen Gefährten Dr. Watson macht er sich auf in das Moor von Devonshire, wo des Nachts freilich nicht nur der Hund umgeht … – Berühmtester und mit Abstand bester der vier Holmes-Romane, gelungen in der Handlung, spannend, atmosphärisch unerhört dicht: jede Zeile mit Recht ein Klassiker des Kriminalromans.

Saat aus dem Grabe

Acht Kurzgeschichten und eine Novelle aus den 1930er Jahren, verfasst von Clark Ashton Smith (1893-1961), dem Meister des Bizarren und Morbiden, der europäische Dekadenz mit amerikanischer Fabulierkunst kreuzt und dem Ergebnis morgenländische Märchenhaftigkeit beimischt; es entsteht eine schwüle, von unguter Fruchtbarkeit geprägte Atmosphäre drastischen Grauens – und ein von der Zeit mit nostalgischer Patina geadeltes, aber weiterhin kraftvolles Lese-Erlebnis, das schon den großen H. P. Lovecraft beeindruckte.

Cottoncrest

Auf einer Plantage in den US-Südstaaten scheint ein Fluch zu liegen, der seit anderthalb Jahrhunderten immer neue Opfer fordert; die nüchterne Realität erklärt die Bluttaten als Folgen historischen Unrechts, wuchernder Rassismen und beleidigten Stolzes … – Handlung und Figurenzeichnungen sind simpel und ächzen unter dick aufgetragener Moral; was bleibt, ist ein mit „Southern-Gothic“-Elementen und Klischees angereicherter Historienroman, der immerhin rasant erzählt wird: zu viel guter Wille bei zu wenig Umsetzungsprägnanz.

Der Fall Charles Dexter Ward

Ein unvorsichtiger Privatforscher erweckt einen bösen Hexenmeister zum Leben. Der Schurke nimmt seine Stelle ein, um seinem blasphemischen Handwerk erneut nachzugehen, bis sich zwei beherzte Männer gegen das Grauen stellen … – Locker dem „Cthulhu“-Zyklus angehörend, erzählt Autor Lovecraft die bekannte aber spannende Geschichte vom Zauberlehrling, der nicht mehr los wird, was er gerufen hat. Die hier neu übersetzte, fachkundig kommentierte sowie illustrierte Geschichte enthüllt sich gekonnt pseudodokumentarisch aus alten Dokumenten, Berichten, Zeitungsartikeln etc., bis sie ihren Bogen im Finale in einem wahren Pandämonium vollendet.

In der Gruft und andere makabre Geschichten

14 frühe bzw. weniger bekannte phantastische Kurzgeschichten und eine Novelle von H. P. Lovecraft (1890-1937) belegen, dass der klassische Meister des modernen Grauens schon in den Jahren vor dem „kosmischen Schrecken“ der „Cthulhu“-Stories ein Panoptikum schauerlicher Begebenheiten entwarf, die es ebenso spannend wie gruselig in sich haben und thematisch eine erstaunliche Bandbreite abdecken.

Cops

Jung-Polizistin Janice Itwaru wird als Undercover-Cop auf den Straßen von New York City verheizt. Um befördert zu werden, muss sie um jeden Preis Verhaftungen vorweisen. Die Hast sorgt für gefährliche Zwischenfälle, aber von ‚oben‘ kann Itwaru keine Hilfe, sondern nur Druck erwarten … – Dieser Thriller stellt keinen ‚Fall‘ in den Vordergrund. Dem Verfasser geht es um den harten Alltag von Polizisten, die ‚funktionieren‘ sollen und dabei körperlich, geistig & moralisch vor die Hunde gehen: desillusionierender Psychothriller weitgehend ohne Klischee-Krücken.

Berge des Wahnsinns

Eine wissenschaftliche Expedition in die Antarktis entdeckt Überreste einer vorzeitlichen und keineswegs menschlichen Zivilisation. Körper dieser Wesen tauchen auf. Kurz darauf steht fest, dass „verlassen“ nicht „ausgestorben“ bedeutet. Über die Forscher bricht buchstäblich die Urzeit herein … – Obwohl eigentlich wenig geschieht, zieht Autor Lovecraft den roten Faden seiner spannenden Geschichte geschickt immer straffer, bis im Finale der Schrecken leibhaftig wird: Dies ist zurecht einer der Klassiker der modernen Phantastik. Er wird hier nicht nur neu übersetzt, sondern auch schön illustriert und kommentiert veröffentlicht.

Das leere Haus

Mit einer Novelle, zwei längeren Erzählungen und einer Kurzgeschichten zeigt sich Algernon Blackwood (1869-1951) als Großmeister einer Phantastik, die über simplen Horror weit hinausgreift und sich ein Weltbild zeichnet, in dem eine belebte, manchmal ‚nur‘ fremde, manchmal bösartige Natur eine von den Menschen fast vergessene aber weiterhin zentrale Stellung einnimmt: spannend, eindrucksvoll und im positiven Sinn gruselig!